Von Golmud nach Lhasa – unterwegs in schwindelnder Höhe

Insight Reportage 2018

Eine Zugreise nach Lhasa in Zentraltibet ist ein einmaliges Abenteuer. Nicht nur der dünnen Luft wegen. Hans Wettstein, Geschäftsführer von Insight Reisen, ist mitgefahren.

Einige Fakten und Zahlen zur höchst gelegenen Eisenbahnstrecke der Welt

  • Der höchstgelegene Bahnhof der Welt Tangu La 5068 m 
  • Die längste Eisenbahnbrücke der Welt mit 11,7 km Länge auf 4600 m 
  • Der höchstgelegene Tunnel durch Permafrost ist 1338 m lang und liegt auf über 5000 m.
  • 1142 km von Golmud nach Lhasa
  • 7 % der Strecke sind auf Brücken oder in Tunnels 
  • Der längste Tunnel ist 1720 m lang

Tibet - seit Jahrzehnten ein magischer Begriff, ein Shangri-La, ein mythischer Ort im unwegsamen Himalaya, abgeschnitten von der modernen Welt. Am 1. Juli 2006 hat sich mit der Ankunft des ersten Zuges in Lhasa ein neues Kapitel der tibetischen Geschichte aufgetan. Die rund 1000 km lange Zugstrecke von Golmud, in der chinesischen Provinz Qinghai nach Lhasa in Zentraltibet eröffnete einen neuen Zugang zum Dach der Welt, welcher Begeisterung aber auch Kritik ausgelöst hat. Die Zugstrecke ist die längste und höchste Hochland-Eisenbahn der Welt, 255 m höher als die Andenbahn.

Ich wollte wissen, was es heisst, auf der höchsten Zugstrecke der Welt unterwegs zu sein. Ich bestieg den Zug in Xining und fuhr über Nacht nach Golmud. Im "Soft-Sleeper" 4er-Abteil liess es sich gut schlafen. Die Schaffner waren trotz Sprachbarriere zuvorkommend und freundlich. Es gab WCs, saubere Waschbecken und genügend Steckdosen.

Nach Golmud begann eine landschaftlich einmalige Strecke. Berge, Gletscher, Hochebenen und ein lang gezogener See zogen vorbei. Wir genossen den Blick auf tibetische Antilopen, Wildesel, Yakherden, sowie farbenprächtige Nomadenzelte.

Weitere 800 Passagiere reisten mit. Die beste Aussicht bot der Restaurantwagen. Es gab auch eine Bar mit Drinks, aufgrund der Höhe verzichtete ich aber gerne auf Alkohol. Ab einer Höhe von 4000 Metern pumpten Düsen regelmässig Sauerstoff in die Abteile. Lautsprecher warnten vor der Höhenkrankheit und wer wollte, konnte beim Zugbegleiter eine Atemmaske verlangen. Nur die wenigsten Passagiere machten davon Gebrauch.

Für Eisenbahnliebhaber ist diese Reise ein Muss: Der Bau der Zuglinie gilt als technisches Meisterwerk, denn den über 100'000 Arbeitern musste Sauerstoff verabreicht werden. Die grösste technische Herausforderung bereitete der Bau von Brücken und Tunnels durch den Permafrost. Die Eisschicht über dem Permafrost schmilzt und gefriert jeden Tag von neuem. Skeptiker meinen, die Zugstrecke werde keine zehn Jahre alt...

Ein Grund mehr, diese unvergleichliche Reise möglichst bald in die eigene Agenda einzuplanen!

Reisen nach Tibet