Die Vorbereitung der Reise nach Tibet
Für Reisen nach China ist kein Visum mehr nötig, lediglich ein gültiger Reisepass (6 Monate über Reiseende). Für Tibet sind Permits für die Route zum Kailash nötig, welche von unserer Agentur für Sie eingeholt werden.
Insight-Tipp: Nehmen Sie neben Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, einen Meerwasser-Nasenspray, Lutschbonbons, Lippenbalsam und eine reichhaltige Körpercreme mit. Die trockene Luft belastet Haut und Schleimhäute.
12. Mai - Flug Zürich – Chengdu
Flug mit Cathay Pacific direkt nach Hongkong (13.30/07.05+1). Um 13.30 Uhr hob die Maschine in Zürich ab. Unser Ziel lag fast 7000 Kilometer entfernt. Wer den heiligsten Berg für Buddhisten, Hindus, Jainas und Anhänger der Bön-Religion umrunden will, muss einen weiten Weg machen. Vor uns lagen Hongkong, Chengdu und die lange Anreise über das Hochland. Vorfreude begleitete uns.
13. Mai 2026 - Zwischen Hotpot und Himalaya

Nach der Landung in Hongkong ging es direkt weiter nach Chengdu. Die Hauptstadt der Provinz Sichuan ist für viele Reisende das Tor nach Tibet. Hier treffen die moderne Millionenstadt und die Handelswege in den Westen Chinas aufeinander.
Wir spazierten durch die Stadt. Rund um den Daci-Tempel und die Fussgängerzonen von Taikoo Li und Chunxi Road herrschte reger Betrieb. Vor den zahlreichen Goldgeschäften wurde getanzt und Influencer mit eindrucksvollen Selfiesticks lieferten den Livestream dazu.
Für uns war Chengdu aber auch ein Ort des Wiedersehens. Beim Abendessen trafen wir unseren Freund und Agenturinhaber Guo Hui und Dr. Liao, die früher als Reiseleiterin für Insight Reisen gearbeitet hatte zum Hotpot. Solche Begegnungen gehören zu den schönsten Seiten des Unterwegsseins. Man merkt, wie klein die Welt manchmal ist – und nebenbei wie scharf man in China isst …
14. Mai 2026 - Der Weg aufs Hochland
Am Morgen besuchten wir den «People’s Park» in Chengdu, der bereits seit 1911 besteht. Im Volkspark herrschte schon früh reges Treiben: Pensionierte sassen gemütlich bei einer Tasse Tee zusammen, liessen sich die Ohren reinigen oder übten Tai Chi. Besonders faszinierend ist der «Romance Garden». Hier hängen Eltern und Singles amtlich beglaubigte Steckbriefe mit Partnerwünschen auf – gewissermassen das Tinder von Chengdu, nur dass es diese Form der Partnersuche schon lange vor Smartphones gab.
Anschliessend flogen wir von Chengdu nach Xining. Die Stadt gilt als östliches Tor zum tibetischen Hochland und ist zugleich Hauptstadt der Provinz Qinghai.
Schon hier wurde sichtbar, wie vielfältig diese Region ist. Neben der Han-chinesischen Mehrheitsbevölkerung leben in und um Xining Tibeterinnen und Tibeter, Hui-Muslime und zahlreiche weitere Volksgruppen. Seit Jahrhunderten kreuzen sich hier Handels- und Pilgerwege.
Wir nutzten den freien Nachmittag, um das Kumbum Champa Ling zu besuchen. Mitten in dieser chinesischen Grossstadt liegt eines der bedeutendsten Klöster des tibetischen Buddhismus. Das Kloster gilt als Geburtsort von Tsongkhapa, dem Begründer der Gelugpa-Schule, und ist bis heute eines ihrer bedeutendsten spirituellen Zentren. Wir beobachteten debattierende Mönche und tauchten ein in die friedvolle Stimmung eines tibetischen Klosters. Ein schöner Einstieg in eine Tibetreise und ein Ort, den man nicht verpassen sollte.
15. Mai 2026 - Die längste Thangka der Welt

Xining liegt auf rund 2275 Metern Höhe. Für uns war die Stadt der Übergang zwischen dem chinesischen Tiefland und dem tibetischen Hochland.
Am Vormittag besuchten wir die Altstadt. Vor der grossen Moschee von Xining versammelten sich Gläubige zum Freitagsgebet, auf dem Markt trafen wir auf kontaktfreudige Verkäuferinnen und Verkäufer. Trotz der Sprachbarriere wurden uns allerhand Köstlichkeiten zum Probieren angeboten.
Besonders eindrücklich war der Besuch des lokalen Thangka-Museums (China Tibetan Medicine Culture Museum). Dort wird eine 618 Meter lange Rollbildmalerei aufbewahrt, an der während rund dreissig Jahren mehr als 400 Künstlerinnen und Künstler gearbeitet hatten. Sie gehört zu den grössten ihrer Art.
Am Abend begann ein weiterer Höhepunkt der Reise. Kurz vor 22 Uhr bestiegen wir den legendären Zug nach Lhasa. Ein Schlafwagen-Zug, dessen Abteile ein wenig an die früheren SBB-Couchette-Wagen erinnern. Frischgestärkte Bettwäsche und Sauerstoffdüsen in den 4-Bett-Kabinen (Soft-Sleeper) machten Hoffnung auf ein paar ruhige Stunden, auch wenn uns auf dieser Fahrt mehrere 5000 Meter hohe Pässe erwarteten.
Als wir uns schliesslich im Speisewagen zu einem letzten Schluck Tee trafen, wurde uns bewusst: Die Reise nach Tibet hatte begonnen!
Insight Tipp: Unbedingt vor der Abfahrt die Fenster des Abteils mit einem Feuchttuch von aussen putzen!
16. Mai 2026 Aufs Dach der Welt

Als wir am Morgen die Vorhänge im Abteil zurückzogen, hatte sich die Landschaft verändert. Die Städte waren verschwunden, stattdessen zogen weite Ebenen und ein unendlich scheinender Himmel vorbei. Je weiter der Zug nach Westen fuhr, desto karger wurde die Umgebung.
Die Tibetbahn gilt als höchste Eisenbahnstrecke der Welt. Sie führt über den Tanggula-Pass auf mehr als 5000 Metern Höhe und durch Gebiete, die bis vor wenigen Jahren nur auf langen Holperstrassen erreichbar waren.
Der Zug fuhr gemächlich durch das Hochland. Immer wieder sahen wir Yakherden, Wildesel (Kiang), Tibetantilopen (Chiru), Tibetgazellen (Goa) und kleine Salzseen, die in der Sonne glitzerten. Dazwischen tauchten vereinzelt Nomadenzelte auf.
Am Abend erreichten wir Lhasa. Auf 3650 Metern Höhe bemerkten wir die dünnere Luft sofort. Wir liessen es ruhig angehen und bezogen unser tibetisches Hotel – das mehr ein Homestay war – mitten in der Altstadt von Lhasa. Besonders gefielen uns die liebevoll im tibetischen Stil eingerichteten Zimmer, die herzliche Gastfreundschaft und das Restaurant mit seinen traditionellen Spezialitäten. Zum Jokhang-Tempel waren es nur wenige Gehminuten durch die engen Gassen der Altstadt.
17. Mai 2026 - Lhasa beginnt am Barkor

Für die ersten Tage in Lhasa hatten wir uns vorgenommen, es langsam anzugehen. Die Höhe verlangt Geduld, auch wenn die Neugier gross ist.
Unser Weg führte zum Jokhang-Tempel. Seit Jahrhunderten ist er das religiöse Zentrum Tibets. Vor den Eingängen beteten Pilgerinnen und Pilger, drehten ihre Gebetsmühlen oder vollzogen Niederwerfungen. Manche waren wohl von weit hergekommen und hatten lange Reisen hinter sich.
Rund um den Tempel verläuft der Barkor, der bekannteste Pilgerweg der Stadt. Von Sonnenaufgang bis spätabends umrunden Gläubige den Tempel, daneben verkaufen Händler Weihrauch, Gebetsfahnen und Alltagsgegenstände. Religion und Alltag gehen hier fliessend ineinander über.
Später besuchten wir den Ramoche-Tempel und schlenderten durch den tibetischen Markt. Viel Programm brauchte es an diesem ersten Tag nicht. Es reichte, anzukommen und diese faszinierende Stadt auf sich wirken zu lassen.
18. Mai 2026 - Der Potala und das Leben darum herum

Bevor wir uns Richtung Potala aufmachten, besuchten wir einen weniger bekannten Pilgerort. Der Dralha Lupuk-Felsentempel mit der Schutzgöttin Pelden Lhamo am Chakpori-Hügel ist einer der stillen, oft übersehenen Kraftorte Lhasas. Zwischen den in Fels gemeisselten Buddha-Darstellungen und jahrhundertealten Reliefs wird die tiefe Verbundenheit Tibets mit dem Buddhismus auf eindrückliche Weise spürbar. Wir würden am liebsten bleiben, doch wartet unser Slot im wichtigsten Palast der Stadt auf uns.
Kein Gebäude prägt das Bild von Lhasa so sehr wie der Potala. Über Jahrhunderte war er Winterresidenz der Dalai Lamas und politisches wie religiöses Zentrum Tibets.
Schon von weitem beherrscht der Palast die Stadt. Im Innern bleibt für Besucherinnen und Besucher heute nur wenig Zeit, doch sie genügt, um eine Vorstellung von der Grösse der Anlage zu bekommen. Enge Treppen, alte Wandmalereien und reich verzierte Kapellen wechseln sich ab. Auch wenn der Palast heute von den vielen Reisenden geprägt ist, die ihn besuchen – wer sich im Innern ein paar Minuten der Ruhe gönnt, bemerkt schnell den Zauber, der diesem Ort immer noch innewohnt.
Ausserhalb des Palasts pulsiert das Leben. In gut besuchten Restaurants essen Familien, Nonnen und Mönche gemeinsam Noodlesoups. Beim Blue Buddha beobachteten wir Pilger, die ihre tägliche Runde auf dem Lingkor drehten, dem äusseren Pilgerweg von Lhasa.
Später blieb Zeit für einen Bummel durch die Altstadt. Wer genau hinschaute, entdeckte hinter den Fassaden zahlreiche Handwerksbetriebe und Geschäfte, die wahrscheinlich seit Generationen bestehen. Wir besuchten Deleg. Er lebte als Kind in Wil (SG), machte eine Berufslehre und kehrte später gemeinsam mit seiner Familie nach Tibet zurück. Heute führt er in der Eingangshalle eines Hotels ein kleines Geschäft mit hochwertigem tibetischem Schmuck und kunstvollen Thangkas. Es war ihm eine sichtliche Freude, nach langer Zeit wieder einmal «Schwizerdütsch» sprechen zu können.
19. Mai 2026 - Yerpa-Kloster

Das Yerpa-Kloster ist kein Ort, den man einfach besichtigt – man erwandert ihn auf einem Tagesausflug von Lhasa. Langsam und gemächlich. Der schmale Weg führt vorbei an Gebetsfahnen und kargen Felsen hinauf zu einer Ansammlung kleiner Tempel und uralter Meditationshöhlen, die sich an die steile Bergwand klammern.
Hier spürt man, dass der tibetische Buddhismus einst in der Abgeschiedenheit der Berge gewachsen ist. Die Höhlen sind eng, dunkel und überraschend schlicht. Gerade das macht ihren Reiz aus. Statt prunkvoller Hallen begegnet man Orten, an denen Menschen über Jahrhunderte Stille gesucht haben…
Yerpa gehört nicht zu den meistbesuchten Orten Tibets. Vielleicht macht gerade das seinen Reiz aus. Der Tag verlief ruhig, fast unspektakulär. Und genau deshalb blieb er uns in tiefer Erinnerung. Am Abend waren wir bei Danny, dem Leiter unserer tibetischen Partneragentur, in ein traditionelles tibetisches Restaurant eingeladen. Touristen suchte man hier vergebens – stattdessen war das Lokal bis auf den letzten Platz mit Einheimischen gefüllt. Neben den klassischen Momos wurden zahlreiche köstliche tibetische Spezialitäten serviert, darunter auch feine vegetarische Gerichte. Selbst alkoholfreies Bier fehlte nicht auf der Getränkekarte.
20. Mai 2026 - Der See der Göttin

Nach einigen Tagen in Lhasa hiess es Abschied nehmen. Unser Ziel war Gyantse, doch der eigentliche Höhepunkt des Tages lag unterwegs.
Die Strasse führte uns zunächst zum Gongkar Chöde, einem Sakya-Kloster, das für seine gut erhaltenen Wandmalereien bekannt ist. Das im 15. Jahrhundert gegründete Kloster der Sakya-Tradition ist für seine aussergewöhnlichen Fresken bekannt. In der Ruhe, die hier herrscht, spürten wir rasch, dass Gongkar Chöde kein Museum ist, sondern bis heute ein lebendiges Kloster.
Anschliessend ging es über eine wenig befahrene Route hinauf in die Berge. Auf fast 5000 Metern Höhe erreichten wir den Luri-La-Pass. Chinesische Touristengruppen machen hier liebend gerne Selfies. Unter uns lag der Yamdrok Tso. Ein atemberaubender Anblick!
Der türkisfarbene See gehört zu den heiligsten Gewässern Tibets. Nach tibetischem Glauben ist er der Wohnort einer Schutzgöttin, und viele Pilgerinnen und Pilger verbinden ihren Besuch mit einer Kora. Von den Aussichtspunkten aus wirkt der See beinahe unwirklich. Je nach Sonnenstand wechseln seine Farben zwischen Blau, Türkis und Grün.
Wir verliessen die Hauptstrasse und fuhren bis an einen der ausgeschilderten Parkplätze am See. Hier warten geschmückte Yaks darauf auf einem Foto zu landen.
Später führte die Strasse über den Karo-La-Pass weiter nach Gyantse. Über dem Ort erhob sich bereits die alte Festung. Nach einem langen Tag waren wir froh, angekommen zu sein. Zu unserer Freude gab es im Hotel nepalesische Küche und wir genossen ein Thali.
21. Mai 2026 - Ein Mandala aus Stein und Lehm

Gyantse gehörte einst zu den wichtigsten Handelsstädten Tibets. Davon zeugen bis heute die Festung und die weitläufige Klosteranlage Pelkor Chöde.
Im Mittelpunkt steht der Kumbum, ein mehrstöckiger Stupa, dessen zahlreiche Kapellen wie ein begehbares Mandala angeordnet sind. Die Wandmalereien und Figuren stammen aus unterschiedlichen Epochen und spiegeln den Austausch verschiedener buddhistischer Traditionen wider. Wir haben Glück: Im Kloster fertigen Mönche wunderschöne farbenfrohe Mandalas aus Sand an. Wir sind eingeladen zuzuschauen. In wenigen Tagen werden diese filigranen Kunstwerke zerstört werden. Das stetige Werden und Vergehen des Lebens werden so auf eindrückliche Weise sichtbar gemacht.
Wir fuhren weiter in Richtung nach Shigatse. Unterwegs machten wir einen Halt beim Kloster Shalu, das für seine besondere Architektur bekannt ist. Ein älterer Mönch nahm sich Zeit, uns Einblick in sein Leben zu geben. Eine wunderschöne Begegnung, die wir als wertvolle Erinnerung mit uns nahmen.
Nach einer weiteren Nudelsuppe fuhren wir nach Shigatse. Dort besuchten wir das Tashilhunpo-Kloster, den traditionellen Sitz der Panchen Lamas. In den Höfen und auf den Pilgerwegen herrschte reger Betrieb – und doch war für uns ein deutlicher Unterschied zu den vorherigen Klostern zu spüren. Diese wunderschöne Anlage ist heute in erster Linie ein Museum. Eines, das sich lohnt.
Darauf, die Kora zu machen, verzichteten wir. Die vielen Eindrücke wollten verarbeitet sein und wir entschlossen uns für ein gemütliches tibetisches Restaurant. Nach dem reichhaltigen Znacht sang uns das Servicepersonal zum Abschied ein traditionelles Lied vor.
22. Mai 2026 - Auf dem Weg zum höchsten Berg der Erde

Die Fahrt von Shigatse nach Rongbuk gehörte zu den längsten der Reise. Langweilig wurde es nie: Die Landschaft veränderte sich ständig. Burgruinen tauchten auf Hügeln auf, kleine Klöster lagen zwischen Sanddünen und weiten Ebenen. Yakherden zogen vorbei und immer wieder sahen wir Hasen, Esel, Antilopen und Bergziegen.
Unterwegs besuchten wir ein Nonnenkloster und das verlassene Kumbum von Puntsholing. Die Nonnen steckten mitten in den Renovationsarbeiten ihres kleinen Klosters. Sie betonierten, sägten und hämmerten und fanden trotzdem Zeit, sich mit uns zu unterhalten. Einmal mehr waren es diese Begegnungen, die wir wohl nie mehr vergessen werden.
Danach folgten wir dem Brahmaputra flussaufwärts bis nach Lhatse. Hinter Shekar begann der Chomolungma-Nationalpark. Chomolungma ist der tibetische Name des Mount Everest und bedeutet «Göttinmutter der Erde».
Am Pang-La-Pass hielten wir an. Von hier aus öffnet sich der Blick auf mehrere Achttausender gleichzeitig. Zum ersten Mal sahen wir den Everest!
Die letzten Kilometer bis Rongbuk legten wir in einem Elektrobus zurück. Seit einigen Jahren dürfen nur noch solche Fahrzeuge die Strecke befahren, um die Umweltbelastung im Schutzgebiet zu verringern. Unser Gästehaus lag auf rund 5000 Metern Höhe. Es war bereits nach acht Uhr, als wir ankamen. Gerade noch rechtzeitig, um die letzten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel des Everests beobachten zu können. Es war kühl hier oben und der Sauerstoff war knapp. Doch sind die Zimmer im Guesthouse geheizt und von einigen Zimmern aus sieht man direkt auf den Everest. Sogar eine eigene Toilette gibt es. Welch ein Luxus! Wer nicht zu den Glücklichen mit Ausblick gehört, steigt auf die Dachterrasse und beobachtet von dort aus den eindrücklichen Sternenhimmel. Die erste Nacht auf dieser Höhe möchte man nicht als geruhsam bezeichnen, aber der Tagesanbruch am Fusse des höchsten Berges der Welt hatte auch unausgeschlafen seinen Zauber.
23. Mai 2026 - Morgenlicht am Everest

Noch vor Sonnenaufgang standen die ersten Gäste draussen. Auch wir wollten sehen, wie das Licht langsam auf die Nordwand des Everest traf.
Bei klarem Wetter gehört dieser Augenblick zu den eindrücklichsten Erlebnissen der Reise. Der höchste Berg der Erde wirkt von hier aus nicht spektakulär inszeniert, sondern erstaunlich ruhig.
Das eigentliche Basislager ist heute Expeditionen vorbehalten. Für Reisende endet der Weg in Rongbuk.
Nach dem Frühstück brachen wir bereits wieder auf. Die Route führte über Tingri in Richtung Westtibet. Unterwegs begleiteten uns die Gipfel des Himalayas. Neben dem Everest ragten unter anderem der Cho Oyu und der Shishapangma in den Himmel.
Am Pigu Tso legten wir einen kurzen Halt ein. Der tiefblaue See liegt auf über 4600 Metern Höhe und markiert den Übergang in eine Landschaft, die immer weiter und einsamer wird.
Am Abend erreichten wir Saga. Die Stadt ist für viele Reisende nur eine Zwischenstation. Für mich war sie der Auftakt zu jenem Teil Tibets, den ich seit mehr als dreissig Jahren nicht mehr besucht hatte.
24. Mai 2026 - Durch das Nomadenland zum Kang Rimpoche

Hinter Saga wurde der Verkehr spärlicher. Die Strasse war gut ausgebaut, doch Siedlungen waren selten geworden. Stundenlang fuhren wir durch eine Landschaft, die sich alle paar Minuten zu verändern schien und deren Anblick man nie überdrüssig wird. Der Highway G219 zum Kailash zählt zu den längsten Fernstrassen Chinas und den längsten Binnenstrassen der Welt. Unterwegs begegneten wir zahlreichen chinesischen Selbstfahrern – erstaunlich viele von ihnen waren mit Elektrofahrzeugen unterwegs.
Westtibet gehört zu den dünnst besiedelten Regionen Asiens. Die wenigen Menschen, die hier leben, ziehen als Nomaden und mit Yak- und Schafherden durch das Hochland. Immer wieder tauchten einzelne schwarze Zelte auf, daneben weideten Tiere.
Je weiter wir nach Süden kamen, desto deutlicher zeichnete sich am Horizont der Himalaya ab. Schliesslich erreichten wir den Manasarovarsee – und erblickten wir zum ersten Mal den majestätischen Kailash (tibetisch: Kang Rinpoche). Sein Name lautet im Sanskrit Kailāsa und bedeutet «Kristall» – ein passender Name für den heiligen Berg, dessen schneebedeckter Gipfel in der Sonne glitzert.
Mit 4558 Metern Höhe gehört der Manosarovarsee (tibetisch Mapam Yumtso) zu den höchstgelegenen Süsswasserseen der Welt. Er liegt am Fuss des Gurla Mandata (7728 m). Für Buddhistinnen, Buddhisten, Hindus, Jainas und Anhänger der Bön-Religion ist er seit Jahrhunderten ein heiliger Ort. Pilgergruppen umrunden den See oder nehmen Wasser als Erinnerung mit nach Hause. Das traditionelle Bad im See ist den Hindus aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Wir hielten unsere Hand ins Wasser. Es war so kalt, dass die Finger in wenigen Sekunden steifgefroren waren.
25. Mai 2026 - Bön-Kloster

An diesem Morgen entdeckten wir eine wahre Perle: Das Bönklosters Gurugem. Abseits der bekannten Routen begegneten wir hier einer der ältesten spirituellen Traditionen Tibets. Die eindrückliche Lage über dem Sutlej-Tal und die schlichte Schönheit der Anlage machten den Besuch zu einem stillen, aber nachhaltigen Erlebnis – einem jener Momente, die den Zauber Westtibets ausmachen. Wunderschön! Am Morgen besuchten wir die Ruinen und Höhlen der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Khyunglung (Shangshung). Am Nachmittag führte unsere Reise weiter nach Westen, unserem nächsten Ziel entgegen: Tholing und Tsaparang, der einstigen Hauptstadt des Königreichs Guge. Unterwegs wurden die Täler immer enger, während die bizarren Felsformationen eine eindrückliche Kulisse bildeten.
26. Mai 2026 - Im alten Königreich Guge

Tholing wirkte auf den ersten Blick unscheinbar. Doch hinter den schlichten Mauern verbirgt sich einer der wichtigsten Ursprungsorte des tibetischen Buddhismus in Westtibet. Hier studierten Mönche, übersetzten Gelehrte buddhistische Schriften und entstanden Kunstwerke, die Einflüsse aus Indien, Nepal und Zentralasien vereinen. Ein Mönch zeigte uns neben den renovierten Teilen des Klosters auch jene, die seit der Kulturrevolution zerstört sind. Ein eindrücklicher Einblick in die Geschichte dieses Ortes.
Wir fuhren weiter nach Tsaparang. Wer diese Felsenklostern zum ersten Mal sieht, versteht, warum dieser Ort immer wieder mit einer Festung verglichen wird. Die ehemalige Königsstadt erhebt sich auf einem Felsen hoch über dem Tal des Sutlej.
Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert gehörte Guge zu den kulturellen Zentren Westtibets. Von hier gingen wichtige Impulse für die Verbreitung des Buddhismus aus. Der indische Gelehrte Atisha wurde im 11. Jahrhundert nach Tholing eingeladen und beeinflusste die religiöse Entwicklung Tibets nachhaltig.
Wir besichtigten die alten Klöster, Höhlen und die berühmten Wandmalereien. Trotz ihres Alters sind viele Farben erstaunlich gut erhalten. Die Gebäude schmiegen sich an den Felsen, Treppen und schmale Gänge verbinden die einzelnen Anlagen.
Später standen wir oberhalb der Ruinen und blickten über den Canyon. Unten floss der Sutlej, darüber ragen die bizarren Felsformationen auf. Wir fotografierten, was wir konnten, spürten aber rasch, dass sich die Schönheit dieser Landschaft nie wird wirklich fassen lassen. Insight-Tipp: Lesen Sie als Vorbereitung «Der Weg der Weissen Wolken» von Lama Anagarika Govinda.
27. Mai 2026 - Dem Kailash entgegen

Nach den Tagen in Guge führte die Route zurück nach Darchen. Der kleine Ort ist Ausgangspunkt für die Kora um den Kailash und damit für viele Pilgerinnen und Pilger eine wichtige Station.
Je näher wir Darchen kamen, desto häufiger begegneten wir Pilgergruppen. Manche reisten mit Fahrzeugen an, andere waren wohl seit langem zu Fuss unterwegs. Einige legten den Weg sogar vollständig mit Niederwerfungen zurück.
Am Nachmittag blieb etwas Zeit für einen Spaziergang. In der Ferne lockte der Kailash.
Der Berg ist mit 6638 Metern nicht der höchste Gipfel der Region. Seine religiöse Bedeutung macht ihn jedoch zu einem der bekanntesten Berge Asiens.
Am Abend bereiteten wir uns auf die nächsten drei Tage vor. Das grosse Gepäck blieb in Darchen zurück. Für die Kora brauchten wir nur das Nötigste.
Am nächsten Morgen würden wir zu Fuss aufbrechen. Die Nervosität stieg …
28. Mai 2026 - Der erste Tag der Kora

Darchen liegt auf gut 4700 Metern Höhe. Nach einem für uns etwas ungewohnten Frühstück im ausgebuchten Hotel, trafen wir unsere Begleitung. Jeder der Gruppe wurde von einer Trägerin oder einem Träger unterstützt. Die Vorschriften sind klar und werden eisern eingehalten. Jeder Träger bekommt einen kleinen Rucksack, der höchstens 15 Kilogramm schwer sein darf. Der dicke Daunenschlafsack füllte den Rucksack schon fast vollständig.
Mit Wasserreserven und genügend Snacks machten wir uns zu Fuss auf den Weg nach Darboche. Das erste Ziel der Umrundung. Auf diesem Platz lag bereits der grosse Fahnenmast, der während des Saga-Dawa-Festes aufgestellt wird. Noch war es ruhig. Doch immer mehr Pilgergruppen machten sich mit uns auf den Weg. Die meisten waren Tibeterinnen und Tibeter, doch wir trafen auch Gläubige aus Indien.
Von Darboche führte der Weg langsam ins Tal hinein. Der Kailash war inzwischen hinter Hügeln verschwunden.
Nach rund zwanzig Kilometern erreichten wir die Drirapuk Gompa. Das kleine Kloster liegt auf etwa 5050 Metern Höhe und bietet einen eindrücklichen Blick auf die Nordseite des Kailash. Wir überlegten lange, ob wir den kurzen Anstieg in Kauf nehmen sollten. Die dünne Luft machte jeden Schritt zu einer Entscheidung. Wir wagten es. Der Ausblick auf den Kailash versöhnte mit dem Keuchen.
Nach rund elf Stunden kamen wir erschöpft bei unserer Lodge an. Das Licht war toll, der Kailash jetzt in seiner ganzen Pracht zu bewundern, aber der Körper sehnte sich nach Ruhe. Später am Abend kühlte es empfindlich ab. Die Heizdecke auf den Betten im Mehrbettzimmer spendete wohltuende Wärme. Der erste nächtliche Gang auf die Toilette ausserhalb des Gebäudes, liess die Strapazen des morgigen Tages erahnen: Es schneite bereits heftig.
29. Mai 2026 - Über den Drolma La

Der zweite Tag gilt als der anspruchsvollste Abschnitt der Kora. Die ersten Pilger verliessen die Lodge bereits um vier Uhr morgens. Wir wärmten uns zuerst im kleinen Restaurant auf, das zur Lodge gehörte und tranken einen gesalzenen Buttertee. Nicht wirklich unser Lieblingsgetränk, aber die von der Trockenheit aufgesprungenen Lippen frohlockten.
Was jetzt kam, forderte uns bis zum Letzten: Der Weg führte schon zu Beginn stetig bergauf. Die Luft wurde gefühlt noch dünner, die Schritte langsamer und langsamer. Vorbei an Shiva Tsal, einem Ort, an dem viele Pilgerinnen und Pilger symbolisch etwas Altes zurücklassen, um nach der Kora symbolisch in ein neues, besseres Leben zu starten. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug näherten wir uns dem Drolma-La-Pass. Mit 5660 Metern ist er der höchste Punkt der Umrundung.
Je näher wir dem Pass kamen, desto mehr Gebetsfahnen flatterten im Wind. Lange hielt sich hier jemand auf. Kurze Gebete, eine Niederwerfung, der kalte Wind und die wirbelnden Schneeflocken drangen durch die Kleidung. Wie die meisten Pilger machten auch wir uns nach einer kurzen Pause an den Abstieg.
Es war, als hätte uns ein Segen erreicht: Ein unglaubliches Glücksgefühl breitete sich im ganzen Körper aus. War es einfach das Bewusstsein, den Pass geschafft zu haben? War es diese spirituelle Energie, die alle erfasst zu haben schien? Es bliebt keine Zeit, diesen Fragen nachzuspüren, der Abstieg war steil und immer wieder rutschten die Schuhe über die glatten Steine. Unterhalb des Passes liegt der kleine Gauri Kund (tibetisch Tukche Tso). In der hinduistischen Tradition soll die Göttin Parvati hier gebadet und meditiert haben, weshalb dem Wasser eine reinigende und segensreiche Kraft zugeschrieben wird. Der See war zugefroren und an Baden war nicht zu denken.
Der weitere Weg zog sich durch ein langes Tal. Schritt für Schritt im Gegenwind Darchen entgegen. Es war Abend als wir Zuthrul Puk erreichten. Trotz der Erschöpfung genossen wir den Besuch im kleinen Kloster und sassen eine Weile in der «Höhle der Wunder», in der der tibetischen Yogi und Dichter Milarepa meditiert haben soll. Nach einer weiteren 10-stündigen Wanderung waren alle froh über eine warme Nudelsuppe. Auf eine weitere Nacht in einem Mehrbettzimmer hatten wir keine Lust. Wir wanderten weiter und leisteten uns für die letzten Meter der Kora einen Platz im öffentlichen Bus.
30. Mai 2026 - Die letzten Kilometer

Der nächste Morgen in Darchen begrüsste uns mit noch mehr Schnee. Wir hatten Zeit, die Kora zu verdauen und uns unseres Glückes bewusst zu werden. Wir hatten es geschafft! Wir gehören zu den Glücklichen dieser Welt, die diese wunderbare Pilgerreise unternehmen durften. Wir fuhren zum Rakshas-Tal-See. Im Gegensatz zum nahe gelegenen Manasarovar ist er ein Salzwassersee und gilt in der hinduistischen und buddhistischen Tradition als Ort, der mit dämonischen Kräften in Verbindung gebracht wird. Er steht symbolisch für die dunkleren Seiten der menschlichen Natur und die negativen Kräfte der Welt. Auf uns wirkte der See jedoch alles andere als bedrohlich: Friedlich grasende Yaks am Ufer und die karge Landschaft verliehen ihm eine ganz eigene, stille Schönheit. Wir fuhren noch einmal zum Manosarovarsee und genossen danach eine Pizza in einem hippen Café in Darchen. Lange unterhielten wir uns mit den beiden chinesischen Brüdern, welche es führen. Wir erfuhren einiges über das Leben hier auf 4’700 Metern Höhe und die prominenten Pilger, die hier vorbeischauen. Zum Beispiel der indische Promi-Guru Sadhguru. Seine Kora ende jeweils schon in Darboche und finde motorisiert statt …
31. Mai 2026 - Ein stiller Ort

Eigentlich hatten wir vorgesehen, zum Vollmond das Saga-Dawa-Festival zu besuchen. Wegen des grossen Besucherandrangs regelten die Behörden den Zugang jedoch kurzfristig neu, sodass wir nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen konnten.
Stattdessen fuhren wir ein weiteres Mal zurück an den Manasarovarsee und besuchten die wunderschöne Chiu Gompa.
Das kleine Kloster klebt förmlich an einem Felsen hoch über dem Wasser. Der Ort wird mit Padmasambhava in Verbindung gebracht und zählt zu den ältesten Pilgerstätten der Region.
Von oben schweifte der Blick über den See bis zu den schneebedeckten Bergen am Horizont. Nach den bewegten Tagen auf der Kora passte diese Ruhe gut.
Am Nachmittag brachen wir auf und fuhren weiter durch das Nomadenland Richtung Nepal bis nach Zhongba. Die weiten Ebenen Westtibets begleiteten uns noch einmal.
1. Juni 2026 - Abschied von Westtibet

Die Fahrt führte über die Südroute zurück. Stundenlang wechselten sich Seen, weite Ebenen und hohe Pässe ab.
Am Pigu Tso legten wir wieder einen kurzen Halt ein. Der tiefblaue See gehört zu den eindrücklichsten Landschaften entlang der Route und bietet bei klarem Wetter einen Blick auf den Shishapangma (8027 m), den höchsten Berg, der vollständig in der Provinz Tibet liegt. Und: Hier gibt es einen Coffeetruck, der wunderbare Cappuccino serviert. Etwas, dass man zu schätzen lernt, wenn so lange in einem Teeland unterwegs ist.
Je weiter wir fuhren, desto deutlicher veränderte sich die Landschaft. Die Hochebene ging allmählich in tief eingeschnittene Täler über.
Am Abend erreichten wir Nyalam. Nach den vergangenen Wochen auf dem Hochland wirkte der kleine Grenzort beinahe geschäftig. Zum ersten Mal auf dieser Reise genossen wir zum Abschiedsessen in einem lokalen Restaurant, das Sichuan-Küche anbot, ein Glas Wein. Tibetischen Wein notabene, der sehr gut schmeckte. Alkohol und die Höhe vertragen sich schlecht, aber dieses kleine Glas nahm uns unser Körper zum Glück nicht übel.
2. Juni 2026 - Über die Grenze nach Nepal

Von Nyalam führte die Strasse in vielen Kurven hinunter zur Grenze nach Nepal.
Grenzübergänge gehören selten zu den Höhepunkten einer Reise, und auch diesmal brauchten die Formalitäten ihre Zeit. Der freundliche chinesische Grenzbeamte wollte tatsächlich unsere Bücher begutachten und lachte dann über den getrockneten Fisch aus dem Manosarowarsee den wir dabeihatten. Er soll allerhand Krankheiten heilen… Der unfreundliche nepalesische Grenzbeamte wollte nichts von unserem Fisch wissen und den Dollars, die laut nepalesischer Staatswebsite für das Visum zu bezahlen sind. Gerne hätte er lokale Währung genommen und am Wechselkurs noch etwas verdient. Geduld bringt bekanntlich Rosen und so genossen wir nach dem Bezahlen in Dollar schon bald einen Chai in Nepal.
Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft grüner. Nach den trockenen Hochebenen Tibets wirkten die bewaldeten Hügel überwältigend schön und jeder singende Vogel liess unser Herz frohlocken. Gegen Abend erreichten wir Dhulikhel.
3. Juni 2026 - Ein Tag zum Durchatmen

Das Dwarika’s Sanctuary ist ein exklusiver Rückzugsort oberhalb des Kathmandu-Tals. Das Boutique-Resort verbindet traditionelle nepalesische Baukunst mit ganzheitlichen Angeboten wie Yoga, Meditation und Ayurveda. Inmitten einer ruhigen Hügellandschaft war es für uns der ideale Ort, um sein wenig zu erholen. Doch schon am Nachmittag zog es uns weiter ins Kathmandutal. Wir stoppten in Bhaktapur.
Die ehemalige Königsstadt gehört zu den am besten erhaltenen historischen Orten Nepals. Enge Gassen, Tempel und Backsteinplätze prägen bis heute das Stadtbild. Wir liessen uns Zeit und fuhren erst am Abend nach Kathmandu in Hotel The Dwarika’s Kathmandu, welches ganz im nepalesichen Stil gebaut ist. Ein Nachtessen in einem indischen Restaurant «Third Eye» mitten im Ausgangsviertel Thamel rundete den intensiven Tag ab.
4. Juni 2026 - Kathmandu und das tibetische Erbe

Der Tag begann bei der Swayambhunath-Stupa, die auf einem Hügel über der Stadt liegt. Von hier aus überblickt man das Häusermeer Kathmandus. Es ist mein Lieblingsplatz in Nepal und ich geniesse den Moment hier an diesem heiligen Platz hoch über der Stadt sehr.
Später besuchten wir den Durbar Square und Patan, bevor der Weg nach Bodnath führte.
Rund um die grosse Bodnath-Stupa hat sich über Jahrzehnte eine bedeutende tibetische Exilgemeinschaft entwickelt. Mönche, Pilger und Händler prägten das Bild.
Nach den Wochen in Tibet war es ein besonderes Gefühl, der tibetischen Kultur noch einmal in einem ganz anderen Umfeld zu begegnen.
5. Juni 2026 - Ein letzter Tag

Der letzte volle Reisetag verlief ohne grosses Programm.
Wir schlenderten noch einmal durch Thamel Richtung Freakstreet und die Altstadt von Kathmandu mit dem Durbar Square. Es blieb Zeit für einen Kaffee, für letzte Einkäufe und für einen Blick zurück auf die vergangenen Wochen. Es war eine Reise, die wir nie mehr vergessen werden. Wir sind dankbar für alles, was wir sehen und erleben durften.
Am Nachmittag ging es zum Flughafen. Spätestens jetzt wurde uns bewusst, dass sich diese lange Reise ihrem Ende näherte. Zeit für Wehmut blieb wenig. Nach einem kurzen Flug landeten wir in Delhi.
6. Juni 2026 - Heimkehr
Kurz nach Mitternacht hob das Flugzeug der Swiss Richtung Zürich ab. Mit etwas Verspätung erreichten acht Stunden später Zürich.
Manche Reisen enden am Flughafen. Andere beschäftigen einen noch lange danach. Diese gehört zur zweiten Sorte.


Fazit der Reise
Eine Reise zum Kailash gehört nach wie vor zu den eindrücklichsten Erlebnissen im Himalaya. Noch nie war es so einfach, diese abgelegene Region zu bereisen – dennoch sind eine gute Vorbereitung und genügend Zeit entscheidend. Die Zugfahrt von Xining nach Lhasa sowie einige Akklimatisationstage in Lhasa erleichtern die Anpassung an die grosse Höhe erheblich.
Die Infrastruktur hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Mit Ausnahme der öffentlichen Toiletten ist der Standard überraschend hoch. Die Strassen von Lhasa über das Everest Base Camp bis nach Darchen sind in ausgezeichnetem Zustand. Einzig die in China üblichen automatischen Geschwindigkeitskontrollen führten unterwegs immer wieder zu längeren Pausen, damit die vorgeschriebenen Durchschnittsgeschwindigkeiten eingehalten werden konnten.
Auch die Unterkünfte übertrafen unsere Erwartungen. Fast überall übernachteten wir in sauberen Hotels mit eigenem Bad und Heizung. Lediglich während der Kailash-Umrundung sind die Unterkünfte sehr einfach – vergleichbar mit einer schlichten Berghütte. Das gehört jedoch zum Charakter dieser Pilgerreise und lässt sich mit etwas Flexibilität gut meistern. Einziger Wermutstropfen war, dass in manchen Hotels noch geraucht wurde und der Rauchgeruch gelegentlich bis auf die Flure zog.
China hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Wer das Land vor zehn oder zwanzig Jahren bereist hat, wird heute vieles kaum wiedererkennen. Eine wachsende, weltoffene Mittelschicht prägt zunehmend das Bild, und der Umgang mit westlichen Gästen ist freundlich und unkompliziert. Sprachbarrieren lassen sich dank Übersetzungs-Apps meist problemlos überwinden.
Kulinarisch liess die Reise keine Wünsche offen. Ob tibetische, chinesische oder nepalesische Küche – die Auswahl war gross und die Qualität durchwegs hervorragend. Niemand aus unserer Gruppe hatte Magenprobleme, und auch Vegetarier:innen fanden überall eine reichhaltige Auswahl. Selbst in abgelegenen Regionen gab es kleine Läden mit frischem Obst. Überraschend waren auch Details wie alkoholfreies Bier oder ein Cappuccino aus in Lhasa gerösteten Kaffeebohnen. Am besten schmeckte uns jedoch die authentische tibetische Küche in den kleinen lokalen Restaurants.
Ein herzlicher Dank gilt unserem tibetischen Reiseleiter Nongdrup. Mit seinem grossen Wissen, seiner Herzlichkeit und seinem unermüdlichen Einsatz hat er unsere Reise bereichert und uns Tibet auf eindrückliche Weise nähergebracht.
Diese Reise hat gezeigt: Der Kailash ist weit mehr als ein spektakuläres Reiseziel. Er ist ein Ort, der landschaftlich, kulturell und spirituell tief berührt – und noch lange nach der Rückkehr nachwirkt.
Kurzübersicht
12. Mai– Flug nach Chengdu
13. Mai – Zwischen Hotpot und Himalaya
14. Mai – Der Weg aufs Hochland
15. Mai – Die längste Thangka der Welt
16. Mai – Aufs Dach der Welt
17. Mai – Lhasa beginnt am Barkor
18. Mai – Der Potala und das Leben darum herum
19. Mai – Yerpa-Kloster
20. Mai – Der See der Göttin
21. Mai – Ein Mandala aus Stein und Lehm
22. Mai – Auf dem Weg zum höchsten Berg der Erde
23. Mai – Morgenlicht am Everest
24. Mai – Durch das Nomadenland zum Kang Rimpoche
25. Mai – Bön-Kloster
26. Mai – Im alten Königreich Guge
27. Mai – Dem Kailash entgegen
28. Mai – Der erste Tag der Kora
29. Mai – Über den Drolma La
30. Mai – Die letzten Kilometer
31. Mai – Ein stiller Ort
01. Juni – Abschied von Westtibet
02. Juni – Über die Grenze nach Nepal
03. Juni – Ein Tag zum Durchatmen
04. Juni – Kathmandu und das tibetische Erbe
05. Juni – Ein letzter Tag
06. Juni – Heimkehr
Fazit der Reise





































































































































































































































































































































