Zürich
Donnerstag, 1. Januar 2026
Das Check-in mit den neuen Gepäck-Scannern am Flughafen Zürich verlief erstaunlich unkompliziert – kein Separieren der Flüssigkeiten mehr, kein Auspacken des Laptops. Alles ging ungewohnt schnell und reibungslos. Wir flogen mit Etihad via Abu Dhabi nach Phnom Penh.
Schnell ging es auch in Abu Dhabi. Der Anschluss war so knapp bemessen, dass wir 30 Minuten im Laufschritt durch den Flughafen joggten und – zur Belustigung der anderen Fluggäste – mit roten Köpfen in letzter Minute im Anschlussflug landeten. Als wir schliesslich am neuen Flughafen von Phnom Penh ankamen, wirkte alles entspannt, gleichzeitig futuristisch und provisorisch – ein passendes Vorspiel für ein Land, das ständig zwischen Aufbruch und Erinnerung schwankt.
Phnom Penh
Freitag, 2. Januar 2026
Unser Fahrer nahm uns in Empfang und für uns direkt in ein Noodlesoup-Restaurant. Cambodian breakfast! Die Familie, die uns das noch etwas ungewohnte Frühstück servierte, wohnte mitten im Restaurant. Die Schlafzimmer waren durch kleine, vergitterte Fenster von der Suppenküche abgetrennt. Für uns überraschend: Der Cappuccino schmeckte fast wie daheim.
Mit etwas Koffein im Blut war der Jetlag rasch vergessen, und wir entdeckten Phnom Penh – eine lebendige, faszinierende Stadt. Elegante, von Bäumen gesäumte Boulevards und Uferpromenaden erinnerten an vergangene Zeiten, während sich in anderen Stadtteilen Baustelle an Baustelle reihte – die chinesischen Investoren sind fleissig.
Wir begannen mit dem Wat-Phnom-Tempel, dem Geburtsort der Stadt. Hier werden Speckschwarten geopfert; sie sollen Glück und Wohlstand bringen. Später besuchten wir den Königspalast – bis heute offizielle Residenz von König Norodom Sihamoni –, die Silberpagode und das Nationalmuseum.
Um die Mittagszeit führte uns der Weg zum Zentralmarkt, einem überdachten Bau mit markanter Kuppel, auf dem sich nahezu alle Arten von Souvenirs finden lassen. Wir assen im Foodcourt des Marktes; weil kaum jemand Englisch sprach, wissen wir bis heute nicht, was wir gegessen haben.
Am Nachmittag besuchten wir das Tuol-Sleng-Genozid-Museum. Unser Guide hatte – wie fast jede Familie im Land – Angehörige während der Zeit von Pol Pot verloren. Im Innenhof trafen wir zwei junge Frauen, die im Museum nach einem Foto ihres Urgrossvaters suchten. Er war von den Khmer Rouge ermordet worden. Die Bilder, welche die Khmer Rouge beim Eintritt in die Gefängnisse machten, sind heute oft die einzige Möglichkeit, das Schicksal Vermisster zu klären. Fast ein Drittel der Bevölkerung war während der Schreckensherrschaft getötet worden.
Mekong-Inselhüpfen mit der Vespa
Samstag, 3. Januar 2026
Wir entflohen dem hektischen Treiben Phnom Penhs auf Vespas und erkundeten die Umgebung auf einer halbtägigen Tour. Junge Fahrerinnen und Fahrer manövrierten uns geschickt durch den dichten Verkehr, der auch ohne Ampeln erstaunlich flüssig lief. Nach einer Fährfahrt über den Tonle Sap kurvten wir auf Sandpisten weiter, vorbei an kleinen Dörfern, Kuhweiden und Handwerksbetrieben.
Von einer Mekong-Insel zur nächsten tauchten wir in das Leben der Vororte ein – geschäftige Märkte, traditionelle Seidenweber, kleine Werkstätten. Eindrücklich war der Besuch einer traditionellen Tofu-Werkstatt: Gekocht wird auf mit Holz beheizten Öfen, entsprechend rauchig war die Luft. Wesentlich angenehmer wirkten die Arbeitsplätze der Seidenweber und Spinnerinnen auf der Seideninsel. Hier entstehen wunderschöne Seidenschals in wochen- oder monatelanger Arbeit; oft ist die ganze Familie an der Herstellung beteiligt.
Zurück in unserem Hotel in Phnom Penh kosteten wir zum ersten Mal das Nationalgericht «Amok», ein Fischcurry, das seinesgleichen sucht. Wenige Stunden später gab es bereits wieder lokales Essen. Wir trafen unseren Guide zur kulinarischen Entdeckungstour. Streetfood ist ein zentraler Teil des täglichen Lebens in Phnom Penh. Wir erhielten Einblick in die Vielfalt der Khmer-Küche. Einiges war ungewohnt, und das Ende der Tour in einem Restaurant, in dem ausschliesslich europäische Reisegruppen verköstigt wurden, gehörte nicht zu den Highlights des Tages.
Phnom Penh – Kep
Sonntag, 4. Januar 2026
Wir verliessen das geschäftige Phnom Penh und reisten nach Kep. In den 50er- und 60er-Jahren war Kep ein mondäner Badeort der wohlhabenden Bevölkerung. Viele Villen sind heute Ruinen, überwuchert vom Dschungel, was dem Ort eine eigentümlich melancholische Atmosphäre verleiht. Berühmt ist Kep vor allem für seine Krabben und die vielen Strandhütten, in denen es sich in Hängematten entspannen lässt.
Unser Hotel lag mitten im Grün. Auf den Terrassen der grosszügigen Holzvillen warteten ganze Affenfamilien – sie wussten genau, dass Gäste zur Begrüssung einen Früchtekorb erhalten. Türen und Fenster geschlossen zu halten lohnt sich: Die Tiere sind geschickt und erstaunlich mutig.
Am Abend besuchten wir den berühmten Krabbenmarkt. Es war feucht und stickig unter dem Plastikdach, die Vielfalt an Meeresgetier beeindruckend. Viele Verkäuferinnen gehören zur muslimischen Gemeinschaft. Sie amüsierten sich über Touristinnen, die zögerten, wenn ihnen getrockneter Fisch angeboten wurde.
Wieder draussen genossen wir nach einem kurzen Spaziergang einen Apéro im neu eröffneten Restaurant «The Wave». Kreative Drinks, geschmackvolles Interieur und ein spektakulärer Blick auf den Sonnenuntergang. Ein schöner Kontrast zum lebendigen Markt. Für das Abendessen empfehlen wir das «Holy Crab» am anderen Ende des Marktes – Krabbenfleisch-Currys und gegrillte Fische sind sensationell.
Ausflug auf eine tropische Insel
Montag, 5. Januar 2026
Am Morgen wurden wir abgeholt und zu einer kleinen Bootsanlegestelle gebracht. Von dort ging es hinaus zum Kep-Archipel und seinen wenig bekannten Inseln. Die Fahrt war ruhig, die Aussicht auf die verstreuten Inseln – einige lagen bereits auf vietnamesischem Gebiet – wirkte fast meditativ.
Das Schnorcheln war etwas getrübt: Der Wind hatte den Meeresboden aufgewühlt, und viele Korallen sind schon länger abgestorben. Trotzdem fühlte sich das Schwimmen im warmen, offenen Wasser wunderbar an.
Am Strand erwartete uns ein liebevoll zubereitetes Barbecue. Unser Guide, ein Franzose, lebt seit vielen Jahren hier. Nach Frankreich fahre er höchstens noch drei Wochen im Jahr, erzählte er – auf die lachenden Gesichter in Kambodscha könne er nicht länger verzichten.
Landschaften rund um Kep mit dem Tuk-Tuk
Dienstag, 6. Januar 2026
Kep und Kampot sind nicht nur für Pfeffer, Meeresfrüchte und Sonnenuntergänge bekannt – die Region bietet auch eine überraschend vielfältige Landschaft. Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir vorbei an Salzfeldern, einem Fischerdorf und einem versteckten See. Einer der Höhepunkte war ein Vishnu-Tempel, der tief in eine Höhle gebaut worden war. Wer trittsicher war, kletterte auf dem Rückweg hinunter und entdeckte Fledermäuse in der Dunkelheit.
Auf Anraten unseres Guides besuchten wir gleich zwei Pfefferplantagen: das kleinere BoTree in schottischer Hand und La Plantation, gegründet von Franzosen. Dort lernten wir, warum roter Pfeffer teurer ist als schwarzer und dass der lange Pipali-Pfeffer ursprünglich aus Java stammt. Überraschend gut schmeckt er auf Glacé – eine Kombination, die wir in der spektakulären Spice-Bar von La Plantation testeten.
Am Nachmittag checkten wir im Hotel in Kampot ein – ein typisches Stadthotel, das koloniales Flair atmet. Gegen Abend startete eine Bootsfahrt auf dem Fluss. Mit einem Willkommensdrink glitten wir zunächst entlang ruhiger Mangrovenkanäle und kleiner Dörfer. Den Sonnenuntergang verpassten wir – eine Reisegruppe nahm es mit der Abfahrtszeit entspannter als wir –, doch auf der Rückfahrt wartete ein kleines Highlight: Zwischen den Mangroven tauchten Glühwürmchen auf.
Kampot – Smiling Gecko Farmhouse
Mittwoch, 7. Januar 2026
Nach der Fahrt durch ländliche Regionen erreichten wir das Smiling Gecko Farmhouse, rund 60 Kilometer nordöstlich von Phnom Penh. Die Anlage wirkt wie ein Dorf – und ist es im Grunde auch: Auf einem 150 Hektar grossen Campus liegen Schule, Landwirtschaft, Werkstätten, Ausbildungsbetriebe und ein Boutique-Resort nebeneinander. Das Projekt ist 2014 vom Schweizer Fotografen Hannes Schmid gegründet worden – mit der Idee, im ländlichen Kambodscha eine Gemeinschaft aufzubauen, die Bildung, Arbeit und Perspektiven verbindet.
Gleich nach der Ankunft wurden wir eingeladen, das Kulturzentrum «Gong» zu besichtigen. Der runde Bau liegt auf einer kleinen Anhöhe des Geländes und ist gemeinsam mit dem Schweizer Architekturbüro Atelier Oï realisiert worden. Mit einem Durchmesser von rund 40 Metern dient er als Ort für Musik, Tanz und Austausch – ein bewusster Versuch, kulturelle Traditionen wiederzubeleben, die während der Khmer-Rouge-Zeit beinahe ausgelöscht worden waren.
Am Abend sassen wir im Restaurant des Farmhouses unter Frangipani-Bäumen. Die Küche verbindet lokale Produkte aus eigener Landwirtschaft mit moderner Khmer-Küche – und wieder stand ein «Amok» auf dem Tisch. Allein für dieses Curry hätte sich die Reise nach Kambodscha gelohnt.
Ein Dorf, eine Welt
Donnerstag, 8. Januar 2026
Frühmorgens gings nach einem Cappuccino auf eine Farmhouse-Tour. Gleichzeitig mit Hunderten von Kindern kamen wir bei der Schule an. Auf die Kinder wartet nicht nur Unterricht, sondern auch eine Dusche und ein herzhaftes Frühstück. Wir zogen weiter, vorbei an Fischteichen, Gemüsefeldern und Ställen. Alles gehört zum gleichen System: Nahrung, Ausbildung, Einkommen.
Später im Farmhouse-Restaurant erklärte uns jemand das «Farm-to-Table-Konzept». Geflügel, Fisch, Gemüse – vieles stammt direkt aus den eigenen Betrieben. Das erklärt vielleicht, warum selbst ein einfacher Salat hier intensiver schmeckt als anderswo.
Am späteren Nachmittag fuhren wir über eine holprige Piste hinaus aufs Land. Unser Ziel war der Wat Phnom Preah Theat Temple. Viel schneller als dreissig Stundenkilometer kamen wir auf der holprigen Strasse nicht voran. Die Dörfer wirken verlassen – wer kann, arbeitet tagsüber in einer Textilfabrik.
Der Prasat Phnom Preah Theat liegt abseits der bekannten Routen. Der Tempel schmiegt sich in eine natürliche Felsformation, als wolle der Berg den Tempel beschützen. Wir kamen rechtzeitig zum Sonnenuntergang an. Das warme Licht färbte die rötlichen Steine weich, die Umgebung wurde still, und selbst die etwas seltsam wirkenden Plastikstatuen hinduistischer Gottheiten erhielten im Abendlicht einen besonderen Glanz.
Zwischen Luxus und Verantwortung
Freitag, 9. Januar 2026
Die Mischung könnte irritieren: nachhaltige Landwirtschaft neben Design-Architektur, Dorfleben neben Boutique-Hotel. Doch genau darin liegt die Idee – Tourismus finanziert Bildung. Alle Gewinne aus dem Farmhouse-Resort fliessen zurück in Schule, Ausbildung und Community-Projekte.
Landesweit Furore macht das Fine-Dining-Restaurant des Resorts. Die Küche verbindet kambodschanische Aromen mit europäischer Kochtechnik – präzise angerichtet, saisonal gedacht und mit Zutaten aus der eigenen Landwirtschaft des Projekts. Garanten für höchste Qualität sind Schweizer Starköche wie Andrea Caminada oder Tanja Grandits. Jeder Teller ist ein kleines Kunstwerk. Auf unserer Reise in den Süden Kambodschas hatten wir immer wieder gehört, dass man im ganzen Land nirgends so gut esse wie in diesem Restaurant. Es stimmt.
Fussball mit dem Meister
Samstag, 10. Januar 2026
Die Tage im Smiling Gecko fühlen sich länger an, als sie sind. Vielleicht, weil der Ort eine andere Zeitrechnung und Aura hat – etwas zwischen tiefenentspannt und purer Lebensfreude.
Am Abend zog es uns dann doch noch einmal zurück ins quirlige Phnom Penh. Auf bequemen Plastikschalensitzen warteten wir auf den Anpfiff eines Fussballspiels. «Phnom Penh Crown» gegen eine Mannschaft aus Siam Reap.
Gespielt wird im RSN Stadium im Norden der Stadt – ein kleines, fast intimes Stadion mit rund 5000 Plätzen. Fussball ist hier ein Familienevent inklusive Selfies und Snacks in Plastiktüten.
Abschied aus dem grünen Paradies
Sonntag, 11. Januar 2026
Noch einmal das fantastische Frühstücksbuffet, eine letzte Runde im Pool. Als wir abreisten, blieb das Gefühl, dass dieser Ort weniger vom Reisen erzählte als von Möglichkeiten – und dass vielleicht genau das der grösste Luxus war.
Unser Flug zurück nach Zürich wurde nach langem Hin und Her wegen technischer Probleme annulliert. Dank einem Umweg mit Cathay Pacific via Hongkong schafften wir es doch noch rechtzeitig zurück nach Zürich. Ein kleines Happy end: Etihad erstattete die Kosten des abgesagten Fluges problemlos.
Fazit
Kambodscha – wir kommen wieder. Auf das Lächeln deiner Menschen wollen auch wir nicht mehr verzichten.
Kurzübersicht
Donnerstag, 1.1.26
Zürich
Freitag, 2.1.26
Phnom Penh
Samstag, 3.1.26
Mekong-Inselhüpfen mit der Vespa
Sonntag, 4.1.26
Phnom Penh – Kep
Montag, 5.1.26
Ausflug auf eine tropische Insel
Dienstag, 6.1.26
Landschaften rund um Kep mit dem Tuk-Tuk
Mittwoch, 7.1.26
Kampot – Smiling Gecko Farmhouse
Donnerstag, 8.1.26
Ein Dorf, eine Welt
Freitag, 9.1.26
Zwischen Luxus und Verantwortung
Samstag, 10.1.26
Fussball mit dem Meister
Sonntag, 11.1.26
Abschied aus dem grünen Paradies




















































