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Himalaya
28 Oktober 2025

Bhutan: Wo das Glück mit den Reisenden ist

Kleingruppenreise mit Hans Wettstein, 24. September – 10. Oktober 2025

Aufbruch nach Delhi

Mittwoch, 24. September 2025
Um 12:45 Uhr hebt die Swiss-Maschine in Zürich ab. Sieben Stunden später, kurz vor Mitternacht, landen wir in Delhi. Die Immigration ist schnell passiert, das Gepäck rollt vom Band – und dann gehen wir zu Fuss ins Holiday Inn Express, das direkt im Terminal 3 liegt. Ein paar Security-Checks später sind wir im Bett. Wichtig: Den Flughafen nicht verlassen, morgen fliegen wir weiter nach Bhutan! 

Ankunft im Königreich des Glücks

Donnerstag, 25. September 2025
Der Flug nach Paro mit Druk Air startet um 12:30 Uhr. Bei klarem Wetter sieht man links den Mount Everest und den Kangchenjunga, den dritthöchsten Berg der Welt. Ich sitze am Fenster und versuche, die weissen Riesen mit der Kamera einzufangen: Gipfel an Gipfel, schneebedeckt, majestätisch. 

Um 15:30 Uhr landen wir in Paro. Der Anflug ist spektakulär: Die Maschine fliegt durch ein enges Tal, Berge links und rechts, dann eine scharfe 45-Grad-Kurve – und plötzlich liegt die Landebahn vor uns. Nur rund 50 Piloten weltweit dürfen hier landen, ohne Instrumentenflug, ausschliesslich auf Sicht. 

Der Flughafen sieht aus wie ein kleines Museum: geschnitzte Holzbalken, bunte Wandmalereien, Fotos der Königsfamilie in goldenen Rahmen. Keine Werbeplakate, keine blinkenden Lichter. Nur Ruhe. Unser Reiseleiter Sangay Dhendup empfängt uns, dazu Fahrer Pema. Die beiden werden uns die gesamte Reise begleiten. 

Transfer zur Village Lodge in Paro, wo wir mit Popcorn und bhutanesischem Tee begrüsst werden. Am Abend ein Spaziergang durchs Stadtzentrum. Überall flattern Gebetsfahnen im Wind. Ich spüre bereits jetzt: Hier ticken die Uhren anders. 

Aufstieg zum Tiger’s Nest

Freitag, 26. September 2025
Heute das Highlight, das auf keiner Bhutan-Reise fehlen darf: Taktsang Lhakhang, das Tiger's Nest. Das Kloster klebt an einer nahezu senkrechten Felswand, 900 Meter über dem Paro-Tal. 

Schon früh am Morgen brechen wir auf. Der Aufstieg ist steil und anstrengend – etwa zwei Stunden bis zu einem Aussichtspunkt. Der Pfad führt durch Kiefernwald, die Luft ist dünn auf über 3000 Metern, und es ist unerwartet heiss. Doch die Anstrengung lohnt sich: Das Kloster ist spektakulär. Der Legende nach flog Guru Rinpoche im 8. Jahrhundert auf dem Rücken einer Tigerin hierher und meditierte drei Monate lang in einer Höhle.  

Wir dürfen ins Innere, wo Butterlampen flackern und Mönche leise Mantras rezitieren. Eine andächtige Stille, die mich tief berührt. 

Am Nachmittag fahren wir nach Thimphu, der Hauptstadt. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden entlang des Paro Chu. Thimphu hat rund 115'000 Einwohner – und doch ist es anders als jede andere Hauptstadt. Kein Verkehrschaos, keine Hochhäuser, keine grellen Werbetafeln. Die Häuser sind im traditionellen Stil gebaut, mit geschnitzten Holzfenstern und bemalten Fassaden.  

Wir besichtigen das Nonnenkloster, den gewaltigen Tashichho Dzong (nur von aussen), wo Regierung und Kloster untergebracht sind, und den Memorial Chörten, um den den ganzen Tag über Gläubige ihre Gebetsrunden drehen. 

Am Abend ein besonderes Treffen: Eine Vertreterin des Mindfulness City Project kommt ins Hotel. Sie stellt uns die Vision vor. König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck kündigte das Projekt im Dezember 2023 an: Im Süden Bhutans soll Gelephu Mindfulness City entstehen – eine Special Administrative Region mit 2500 Quadratkilometern, dreimal so gross wie Singapur. Die Stadt soll Wirtschaft und Spiritualität verbinden, ein Hub für Clean Technology und nachhaltige Innovation werden, finanziert durch ausländische Direktinvestitionen. 

«Bhutan will zeigen, dass wirtschaftlicher Fortschritt und Achtsamkeit keine Gegensätze sind», sagt sie mit leuchtenden Augen. Ich bin beeindruckt – und skeptisch zugleich. Kann das funktionieren? 

Ins Tal der Kraniche

Samstag, 27. September 2025
Heute führt uns die Fahrt zunächst am Simtokha Dzong vorbei, dem ältesten Dzong Bhutans aus dem Jahr 1629. Dann beginnt die serpentinenreiche Auffahrt zum Dochu La Pass auf 3100 Metern. 

Oben angekommen erwartet uns ein beeindruckender Anblick: 108 weisse Chörten stehen kreisförmig auf dem Bergrücken. Sie wurden 2003 zum Gedenken an bhutanische Soldaten errichtet, die im Kampf gegen indische Separatisten fielen. Bei klarem Wetter bietet sich einer der schönsten Ausblicke auf die Himalaya-Kette. 

Wir fahren hinunter ins warme Punakha-Tal auf nur 1200 Metern. Der Temperaturunterschied ist spürbar – hier wachsen Bananen und Zitrusfrüchte. Zunächst besuchen wir den Chimi Lhakhang, den Fruchtbarkeitstempel. Der Tempel ist dem «Divine Madman» Drukpa Kunley gewidmet, einem unkonventionellen buddhistischen Heiligen aus dem 15. Jahrhundert. Überall Phallus-Symbole – an Hauswänden gemalt, als Holzschnitzereien verkauft. 

Danach besichtigen wir den imposanten Punakha Dzong, vielleicht den schönsten in ganz Bhutan. Er liegt auf einer Landzunge zwischen dem Po Chu und dem Mo Chu, umgeben von Jacaranda-Bäumen, die im Frühling lila blühen. 

Am Nachmittag fahren wir hinauf ins Phobjikha-Tal auf etwa 2900 Metern. Phobjikha ist ein weites Hochtal, das ab November zum Winterquartier der seltenen Schwarzhalskraniche wird. Wir übernachten im Gangtey Pinewood Resort.  

Am Abend bin ich eingeladen, im nahen Six Senses Hotel zu dinieren. Im Restaurant «Baa Zam» wird grosser Wert auf lokale Zutaten gelegt: Ein Teil stammt aus eigenen Gemüse- und Pilzgärten. Ein einmaliges Erlebnis! 

Durchquerung zum Bumthang-Tal

Sonntag, 28. September 2025
Ein langer Fahrtag: 170 Kilometer, fünf bis sechs Stunden. Doch die Strecke ist spektakulär. 

Nach dem Frühstück unternehmen wir eine kurze Wanderung auf dem Gangtey Nature Trail – etwa eineinhalb Stunden durch offene Täler, vorbei an Bauernhäusern und Gebetsmühlen. Der Weg führt zur Gangtey Gompa, einem grossen Nyingma-Kloster, das majestätisch über dem Tal thront. Wir haben Glück: Heute ist ein wichtiger Lama zu Gast, und wir tauchen zusammen mit angereisten Pilgergruppen in die spirituelle Energie des Ortes ein. 

Weiter geht es über den Pala La Pass auf 3300 Metern. Bei gutem Wetter kann man von hier den Jhomolhari sehen, einen 7320 Meter hohen Gipfel an der Grenze zu Tibet – einen der heiligsten Berge Bhutans. 

Auf halber Strecke halten wir in Trongsa, wo wir eines der beeindruckendsten Dzongs besichtigen. Die riesige Klosterburg ist der Stammsitz der königlichen Familie und thront auf einem Bergkamm. Das Museum «The Tower of Trongsa» erzählt die Geschichte der Monarchie. 

Nach dem Mittagessen geht es weiter über den Yotong La Pass auf 3425 Metern ins Bumthang-Tal. Am späten Nachmittag erreichen wir Jakar. Wir übernachten in der Jakar Village Lodge, wo die Hausherrin uns viel über ihren Garten erzählt und uns ihre TikTok-Videos über bhutanische Traditionen zeigt. 

Schweizer Käse im Herzen Bhutans

Montag, 29. September 2025
Das Bumthang-Tal ist das spirituelle Herzland Bhutans – und überraschenderweise auch ein bisschen schweizerisch. Denn hier, auf 2600 Metern, gibt es eine Käserei, eine Schreinerei und eine Brauerei, die von einem Schweizer namens Fritz Maurer gegründet wurden.  

Am Morgen besuchen wir mehrere bedeutende Klöster: Jambey Lhakhang, eines der ältesten in Bhutan aus dem 7. Jahrhundert, und Tamshing Lhakhang mit wunderschönen alten Wandmalereien. 

Dann geht es zur Käserei. Fritz Maurer kam in den 1960er Jahren im Auftrag der Schweizer Entwicklungshilfe nach Bhutan – und blieb. Er baute eine Käseproduktion auf, bildete Einheimische aus und braute später auch Bier. Das «Red Panda Weissbier» ist heute in ganz Bhutan beliebt. Wir probieren den Käse – er erinnert tatsächlich an Emmentaler – und das helle, leicht süssliche Bier.  

Ein Höhepunkt ist die Führung durch die Schreinerei, geführt von Fritz Maurers Sohn. Als dieser bemerkt, woher wir kommen, wechselt er von Englisch in breites Berndeutsch. Welche Überraschung! 

Nachmittags unternehmen wir eine etwa zweistündige Wanderung zum Lhodrak Kharchu Kloster, das malerisch an einem Hang liegt. Wir besuchen auch das neu eröffnete Wangdi Choeling Museum. 

Am Abend steht ein weiteres Highlight auf dem Programm: Dinner im luxuriösen Amankora Resort. Der Holzofen, der direkt neben dem Tisch angefeuert wird, füllt den Raum zuerst mit Rauchschwaden, doch schon bald stellt sich das wohlige Gefühl einer guten Stube ein. 

Das Heritage House im Tang-Tal

Dienstag, 30. September 2025
Das obere Tang-Tal liegt 37 Kilometer von Jakar entfernt. Die ersten 32 Kilometer sind asphaltiert, die letzten fünf führen über eine holprige Schotterstrasse. Alternativ kann man auch wandern. Wir entscheiden uns fürs Trekking – der Weg ist steil, die Sonne brennt, umso schöner das Ankommen auf dem Hochplateau. 

Hier liegt das Ogyen Choling Heritage House, ein restauriertes Anwesen mit 14 Zimmern. Das Hauptgebäude ist ein Museum, liebevoll eingerichtet mit alten Fotografien, Textilien und religiösen Artefakten. Gleich nebenan steht der mehrstöckige Tempel. Die Wandmalereien, die Statuen, die ruhige Energie machen den Aufenthalt zu einer spirituellen Erfahrung. 

Die Anlage wurde vom Schweizer Ethnologen Walter Roder behutsam renoviert. Seine Frau Kunzang Choden ist eine bekannte bhutanische Schriftstellerin. Ihre Tochter Dechen Roder ist eine aufstrebende Filmemacherin. 

Kunzang Choden nimmt sich Zeit, uns aus ihrem Leben zu erzählen. Wir bekommen einen tiefen Einblick in die Geschichte und Kultur des Landes. Gerne würden wir länger hier bleiben! 

Ich verbringe den Nachmittag mit Wanderungen durch die umliegenden Dörfer und später zur Meditationshöhle oberhalb Ogyen Cholings. Der Aufstieg hat es in sich, doch die Ruhe des heiligen Platzes und die Aussicht über das Tal lassen mich die Anstrengung vergessen.  

Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft, halten Yaks, bauen Buchweizen und Kartoffeln an. 

Ein besonderes Highlight wartet in der Küche: Rösti mit Spiegelei und Käse – schmeckt wie daheim, oder sogar noch ein bisschen besser. 

Über die höchsten Pässe nach Mongar

Mittwoch, 1. Oktober 2025
Heute beginnt unsere Reise in den unbekannten Osten Bhutans. Die Strecke ist lang – 195 Kilometer, etwa sieben Stunden Fahrt – über zwei hohe Pässe. 

Zunächst überqueren wir den Shertang La auf 3570 Metern, dann halten wir in Ura, einem typischen bhutanesischen Dorf auf 3100 Metern. Ura liegt verstreut an einem Hang, die Häuser aus Stein und Holz gebaut, mit bunten Gebetsfahnen geschmückt. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise. 

Weiter geht es über den Thrumsing La, mit 3750 Metern der zweithöchste befahrbare Pass Bhutans. Hier oben weht ein kühler Wind, Nebelschwaden ziehen vorbei, und die Aussicht – wenn sie sich öffnet – ist grandios. 

Die Strasse schlängelt sich hinunter nach Mongar, das auf etwa 1600 Metern an einem Berghang liegt. Die Stadt ist umgeben von Eukalyptusbäumen, deren Duft in der Abendluft liegt. Wir übernachten im Hotel Wangchuk. 

Hier im Osten ist das Leben noch ursprünglicher, die Hotels einfacher. Man spürt, dass man sich in einer Gegend bewegt, die noch nicht vom Tourismus geprägt ist. Wir sind herzlich willkommen und hören mehrfach den Dank dafür, dass wir in den Osten gereist sind. 

Nach Trashigang

Donnerstag, 2. Oktober 2025
Am 2. Oktober stand eine Entscheidung an: Die Strasse ins Lhuntse-Tal war wegen Bauarbeiten teilweise gesperrt. Spontan verzichteten wir auf diesen Abstecher und fuhren direkt weiter nach Trashigang.  

Auf dem Kori La Pass auf 2324 Metern hielten wir an, um Butterlampen zu Ehren von Guru Padmasambhava anzuzünden – ein stiller Moment der Andacht mit Blick über die Berge. 

Eine Wanderung führte uns durch dichte Wälder zu einem Bauernhof, wo gerade Gras auf einen Scorpio-Jeep geladen wurde. Vor Trashigang erwartete uns ein besonderes Erlebnis: Wir wanderten das letzte Stück des Trans Bhutan Trails, jenes legendären 403 Kilometer langen Pilgerwegs, der das ganze Land durchzieht. Von der Brücke im Tal stiegen wir hinauf zum Trashigang Dzong, der Klosterburg aus dem 17. Jahrhundert, die majestätisch über der Stadt thront. 

Die Nacht verbrachten wir in der Lingkhar Lodge, einem schönen Resort in Trashigang, der östlichsten grösseren Stadt des Landes. 

Tsechu in Radi: Ein unverhofftes Geschenk

Freitag, 3. Oktober 2025
Dieser Tag brachte eine Überraschung. Unser Reiseleiter Sangay erfuhr, dass ganz in der Nähe ein Klosterfestival stattfand – der letzte von drei Tagen des Tsechu in Radi. Wir waren die einzigen Reisenden unter Hunderten von Einheimischen. 

Das Fest war eindrücklich: Die Cham-Tänze, jene rituellen Maskentänze, die böse Geister vertreiben und Segen bringen sollen, wurden mit einer Intensität aufgeführt, die nichts mit touristischer Folklore zu tun hatte. Hier war Religion gelebte Wirklichkeit. Die Maskentänze werden wie so vieles hier zu Ehren von Padmasambhava, dem buddhistischen Guru aus dem 8. Jahrhundert, aufgeführt und verbinden ruhige, kontemplative Teile mit schnellen, athletischen Sequenzen. Der berühmte Drametse Ngacham, der «Maskentanz der Trommeln», wurde 2005 von der UNESCO zum Meisterwerk des immateriellen Kulturerbes der Menschheit erklärt – eine Form dieser Cham-Tänze wird in ganz Bhutan bei Tsechu-Festivals aufgeführt. 

Wir sahen Volksstämme aus der Umgebung – Menschen aus Merak und Sakteng in ihren traditionellen Gewändern. Die Gastfreundschaft war überwältigend: Man bot uns Tee an, lächelte, nahm uns selbstverständlich in die Gemeinschaft auf. 

Nach dem Festival wanderten wir zu einem Bauernhof. Am Abend dann eine unerwartete Wendung: Party mit einer Gruppe von Pilgerinnen aus dem benachbarten Sikkim – ein fröhlicher Ausklang eines besonderen Tages. 

Chorten Kora

Samstag, 4. Oktober 2025
Wir unternahmen einen Abstecher nach Norden, hinauf nach Tashiyangtse. Dort besuchten wir die beeindruckende Chorten Kora, die nach dem Tigernest als zweitwichtigstes Monument Bhutans gilt. Der weisse Stupa, erbaut nach nepalesischem Vorbild, ist ein wichtiger Pilgerort. 

Auf dem Rückweg nach Trashigang machten wir Halt beim idyllisch gelegenen Kloster Gom Kora, wo sich die Meditationsklause von Guru Rinpoche befindet. Hier soll ein unglaublich schwerer schwarzer Stein um einen Felsen getragen werden, um von den Sünden befreit zu werden oder barfuss über den steilen Felsen geklettert. Wir versagen kläglich, doch unserer Guide und Fahrer tragen das schwarze Ding um den Fels, als sei er ein Kieselstein. 

Und dann gab es da zum Glück noch den Foodtruck, von dem wir kaum loskamen – bhutanisches Street Food, frisch und köstlich, mitten im Nirgendwo.

Abschied vom Osten

Sonntag, 5. Oktober 2025
Am frühen Morgen des 5. Oktober begann die lange Abfahrt aus den Bergen. Die Strasse wand sich in unzähligen Kehren vom Hochland hinunter ins Tiefland – 180 Kilometer und 6,5 Stunden bis nach Samdrup Jongkhar an der indischen Grenze. Aus 3000 Metern Höhe ging es hinunter auf 350 Meter. Die Landschaft wurde mit jedem Kilometer spektakulärer: Weite Täler öffneten sich, subtropische Vegetation löste die Rhododendren ab. 

Dann die Überraschung: Wegen Regenfällen im Himalaya war die Strasse unterbrochen. Ein kurzer Schreck, wir legen eine Pause ein und Warten. Doch bereits nach dem Mittagessen gab es Entwarnung – die Passage war wieder frei.  

An der Grenze verabschiedeten wir uns von unserem bhutanischen Guide Sangay und Fahrer Pema. Es fällt schwer, dieses Land zu verlassen… 

Doch wartete der lokale indische Guide. Die Fahrt nach Guwahati, der Hauptstadt von Assam, dauerte weitere drei Stunden. In der Stadt am Brahmaputra-Fluss war es bereits dunkel. Hier übernachteten wir im Radisson Blu. 

Beim Abendessen sprachen wir über die vergangenen Tage. Bhutan hat uns alle verändert.

Von den Bergen ans Meer

Montag, 6. Oktober 2025
Ein früher Morgen. Um 8:55 Uhr hoben wir mit IndiGo ab, flogen über Kolkata, wo wir um 10:15 Uhr landeten und umsteigen mussten. Um 12:00 Uhr ging es weiter nach Goa, Landung um 14:40 Uhr.  

Die Luft war plötzlich anders – warm, salzig, feucht. Goa, der kleinste indische Bundesstaat an der Westküste, war über 450 Jahre lang portugiesische Kolonie und hat bis heute einen ganz eigenen Charakter: entspannt, kosmopolitisch, bunt. 

Der Transfer dauerte eineinhalb Stunden. Wir fuhren durch tropische Landschaft, vorbei an Palmen und Reisfeldern, bis wir das Ashiyana Yoga & Spa Village erreichten – ein kleines Boutique-Hotel in der Nähe des Mandrem Beach im Norden von Goa. Hier würden wir die nächsten drei Nächte bleiben. 

Ich liess mich aufs Bett fallen und lauschte dem Rauschen der Ventilatoren. Bhutan fühlte sich bereits an wie ein vergangener Traum.

Ankommen am Meer

Dienstag, 7. Oktober 2025
Mein erster voller Tag in Goa. Kein Programm, keine Tempel – nur Zeit. Das Ashiyana Yoga & Spa Village ist ein kleines Paradies: schöne Zimmer mit Balkon, drei Swimmingpools, ein Ayurveda- und Yogazentrum. Im Preis inbegriffen sind Halbpension, Tee, Chai und – freiwillig – Yoga. 

Der Strand ist nur fünf Gehminuten entfernt. Ich schlenderte hinunter zum Mandrem Beach, der noch nicht so überlaufen ist wie die berühmteren Strände weiter südlich. Hier gibt es einige gute Strandrestaurants, wo ich mittags frischen Fisch esse. 

Das Yogaprogramm findet täglich von 8 bis 10 Uhr und von 16 bis 17:30 Uhr statt. Abends gibt es von 20:15 bis 21:15 Uhr Yoga Nidra, Chanting und andere sanfte Praktiken. 

Der Kontrast zu Bhutan könnte kaum grösser sein – und war hier genau richtig. Nach der spirituellen Intensität der letzten zwei Wochen tat mir diese Ruhe, diese Weite, dieses Nichtstun unglaublich gut.

Yoga, Sitar und Stille

Mittwoch, 8. Oktober 2025
Noch ein ganzer Tag am Meer. Das Ashiyana hat seinen eigenen Rhythmus, und heute liess ich mich vollkommen darauf ein. Um 8 Uhr begann die morgendliche Yogastunde, danach Frühstück mit frischen Früchten und Chai. Der Tag dehnte sich vor mir aus wie eine leere Leinwand. 

Ich spazierte zum Strand, las, döste im Schatten einer Palme. Am Nachmittag um 16 Uhr eine weitere Yogasession. 

Der Höhepunkt des Abends war für mich mein Konzert: In der runden Yoga-Shala spielte ich zusammen mit einem lokalen Tablaspieler Sitar. Die Klänge füllten den Raum, schwangen über den Pool hinaus in die warme Nacht. Es war der perfekte Abschluss einer Reise, die in einem buddhistischen Königreich begann und nun hier, am arabischen Meer, sanft ausklang.

Rückreise über Mumbai

Donnerstag, 9. Oktober 2025
Am 9. Oktober hiess es Abschied nehmen. Zimmer bis Mittag, dann gegen 15 Uhr Transfer zum Flughafen. Unterwegs warfen wir vom Bus aus noch einen kurzen Blick auf Old Goa und die historischen Kirchen – ein letzter Eindruck portugiesischer Kolonialgeschichte. 

Der Kurzflug nach Mumbai brachte uns pünktlich zum Terminal 1, von wo aus wir zum internationalen Terminal wechselten. Check-in am Swiss-Schalter um 21:30 Uhr, dann hiess es warten. 

Kurz nach Mitternacht, am 10. Oktober um 00:40 Uhr, hob die Swiss LX 155 nach Zürich ab. Um 6:15 Uhr Landung in der Schweiz – zurück aus einer Welt, die uns drei Wochen lang in ihren Bann gezogen hatte. 

Fazit

Von den Klosterburgen im Westen Bhutans über die unberührten Täler des Ostens bis zu den Stränden Goas – diese Reise führte durch Welten. Bhutan zeigte sich als Land der Kontraste: mystische Klöster und moderne Entwicklung, tiefe Spiritualität und gastfreundliche Menschen, die uns mit einer Selbstverständlichkeit empfingen, als wären wir alte Bekannte. 

Das Tsechu-Festival in Radi, zu dem sich ausser uns kein einziger Tourist verirrte, bleibt als einer der authentischsten Momente in Erinnerung. Der Osten Bhutans, weniger besucht als das Paro-Tal und Thimphu, offenbarte die ursprünglichere Seite des Königreichs. Hier spürte man noch deutlicher, wie das Land zwischen Tradition und Moderne balanciert – und dabei seine Seele bewahrt.

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Kurzübersicht

Mittwoch, 24.9.25
­­Aufbruch nach Delhi 

Donnerstag, 25.9.25
Ankunft im Königreich des Glücks 

Freitag, 26.9.25
Aufstieg zum Tiger’s Nest 

Samstag, 27.9.25
Ins Tal der Kraniche 

Sonntag, 28.9.25
Durchquerung zum Bumthang-Tal

Montag, 29.9.25 
Schweizer Käse im Herzen Bhutans 

Dienstag, 30.9.25
Das Heritage House im Tang-Tal 

Mittwoch, 1.10.25
Über die höchsten Pässe nach Mongar 

Donnerstag, 2.10.25
Nach Trashigang 

Freitag, 3.10.25
Tsechu in Radi: Ein unverhofftes Geschenk 

Samstag, 4.10.25
Chorten Kora 

Sonntag, 5.10.25
Abschied vom Osten 

Montag, 6.10.25
Von den Bergen ans Meer 

Dienstag, 7.10.25
Ankommen am Meer

Mittwoch, 8.10.25
Yoga, Sitar und Stille 

Donnerstag, 9.10.25
Rückreise über Mumbai 

Fazit