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Indien
03 Februar 2026

Maha Kumbh Mela und nach Varanasi

Reisebericht von Tanja Polli, 21. Februar – 1. März 2025 (9 Tage)

Alle Bilder und Videos von Hans Wettstein

Im Februar 2025 trafen gleich zwei besondere Gelegenheiten zusammen: die Maha Kumbh Mela, das größte Pilgerfest der Welt, das nur alle zwölf Jahre in Prayagraj stattfindet, und das traditionsreiche Dhrupad Mela in Varanasi. Die Reise war kurz, aber sie bot die einmalige Chance, spirituelle Massenandacht und musikalische Tiefe an einem Stück zu erleben.

Freitag, 21. Februar – Flug nach Delhi

Am Abend Abflug in Zürich-Kloten mit Air India. Der Direktflug nach Delhi startete pünktlich, das Personal war aufmerksam, die Kabine – wie soll ich sagen – freundlich altmodisch. Das Bord-Entertainment funktionierte nur via Handy – bei einer Flugzeit von nur sieben Stunden in der Nacht kein grosser Nachteil. Bereits in Zürich schien es, als beginne Indien früher als erwartet.

Samstag, 22. Februar – Ankunft in Varanasi

Vom Delhi Airport ging es direkt weiter nach Varanasi. Schon auf der Fahrt vom Flughafen war die besondere Stimmung spürbar: Die Stadt war voller Pilgerinnen und Pilger, die zur Kumbh Mela weiterreisten. Die Strassen waren verstopft, Nummernschilder aus Kerala oder Tamil Nadu zeugten von den Distanzen, die die Menschen auf sich nahmen.
Am Assi Ghat bezog ich mein Hotel und traf meinen Freund Jürgen Berg, der mir für mein Konzert seine Surbahar – eine tiefer klingende Verwandte der Sitar – zur Verfügung stellte. In Varanasi sollte das Dhrupad Mela beginnen, ein Festival, das sich ausschliesslich der ältesten klassischen Gesangs- und Instrumentalform Indiens widmet. Die Vorfreude liess mich die Stadt, in der ich als Musikstudent 12 Jahre lang gelebt hatte, noch verheissungsvoller erscheinen, als sie eh schon ist.
 

Sonntag, 23. Februar – Auftakt beim Dhrupad Mela

Das Festival findet seit Jahrzehnten am Tulsi Ghat statt, jeweils um Shivratri. Gespielt wird im grossen Zelt über dem Ganges – eine Bühne, die in spiritueller Hinsicht kaum symbolträchtiger sein könnte. Mein ehemaliger Gesangslehrer Dr. Ritwik Sanyal eröffnete den Abend mit einem eindrucksvollen Konzert. Später kam mein eigener Auftritt: spontan vorgezogen, ohne lange Vorbereitung, gemeinsam mit Tesuya, einem japanischen Pakhavaj-Spieler, der sich seit Jahren ganz dem Dhrupad verschrieben hat. Die langsamen, tiefen Töne der Surbahar füllten den Raum, getragen von der schweren Trommel. Nervosität wich einer wunderbaren Gelassenheit – ganz im Fluss der Musik.

Montag, 24. Februar – Fahrt zur Maha Kumbh Mela

Früh am Morgen machten wir uns von Varanasi auf den Weg nach Prayagraj. Für die 130 Kilometer brauchten wir fast vier Stunden, Staus waren unvermeidlich. Auf den letzten 30 Kilometern war die Strasse komplett verstopft – wir wechselten auf Motorräder und erreichten so den Triveni Sangam, den Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und Saraswati.
Die Szene dort war überwältigend: unzählige Pilgerinnen und Pilger, die im Abendlicht in den Fluss stiegen, Gebete murmelten, Wasser über ihre Köpfe gossen. Trotz Millionen von Menschen herrschte keine Hektik, sondern eine andächtige Ruhe.
Unsere Unterkunft lag in einem der riesigen Zeltcamps, die Zelte mit eigenem Bad offerierten – komfortabel, aber entsprechend teuer, erschwinglich fast nur für Indiens Oberschicht und westliche Reisende.
 

Dienstag, 25. Februar – Alltag im Ausnahmezustand

Am Morgen Cappuccino im Zelt – Luxus inmitten einer improvisierten Stadt. Danach erneut hinaus ins Getümmel: Zelte der Sadhus besuchen, ihre asketischen Rituale beobachten, im Motorradkonvoi durch die überfüllten Strassen von Prayagraj fahren. Gegen Abend Rückkehr nach Varanasi – erschöpft, aber erfüllt!

Mittwoch, 26. Februar – Shivratri in Varanasi

Die Nacht von Shiva gilt als einer der wichtigsten Tage im hinduistischen Kalender. Tausende junge Männer pilgerten zu Fuss rund um Varanasi, vorbei an 108 Shiva-Tempeln.
Am Tulsi Ghat erreichte das Dhrupad Mela seinen Höhepunkt. Zuerst traten die beiden Söhne von Pandit Prem Kumar Malik auf, anschliessend der Meister selbst. Gegen Mitternacht sang Ustad Wasifuddin Dagar, begleitet auf der Pakhavaj von Prof. Vishwambhar Nath Mishra, dem Oberpriester des Sankat Mochan Hanuman Tempels. Dass ein hinduistischer Mahant und ein muslimischer Sänger gemeinsam auftraten, unterstrich, wie sehr Musik religiöse Grenzen überwinden kann.
 

Donnerstag, 27. Februar – Sadhus am Ganges

Viele Pilger, die zuvor an der Kumbh Mela teilgenommen hatten, strömten nun nach Varanasi. An den Ghats lebten Sadhus in provisorischen Zelten, schmückten ihre Körper mit Asche, sangen, meditierten. Am Abend erleuchtete das Aarti – die Feuerzeremonie am Dashashwamedh Ghat – die ganze Stadt: Fackeln, Trompeten, Glocken, die Spiegelung der Flammen im Fluss. Ein Ritual, das Varanasi Nacht für Nacht in eine Bühne verwandelt.

Freitag, 28. Februar – Abschied

Ein letzter Blick auf den Ganges. Varanasi zieht mich jedes Mal aufs Neue in seinen Bann – unabhängig davon, wie oft ich schon dort war. Ich werde zurückkehren. Soviel steht fest. Am Abend wartet der Rückflug nach Delhi.

Samstag, 1. März – Heimreise

Mit Swiss zurück nach Zürich. Meine Reise war kurz, aber sie verband zwei Welten: die überwältigende Dimension der Maha Kumbh Mela und die intime Tiefe des Dhrupad Mela. Unvergesslich!

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Kurzübersicht
  • Freitag, 21. Februar – Flug nach Delhi
  • Samstag, 22. Februar – Ankunft in Varanasi
  • Sonntag, 23. Februar – Auftakt beim Dhrupad Mela
  • Montag, 24. Februar – Fahrt zur Maha Kumbh Mela
  • Dienstag, 25. Februar – Alltag im Ausnahmezustand
  • Mittwoch, 26. Februar – Shivratri in Varanasi
  • Donnerstag, 27. Februar – Sadhus am Ganges
  • Freitag, 28. Februar – Abschied
  • Samstag, 1. März – Heimreise