
Im April/Mai 2025 ging die Reise durch Tibet teilweise noch durch verschneite Landschaften. Die Reise führte von Chengdu mit der Eisenbahn nach Lhasa und von dort über Land und dem Everest Basecamp bis nach Kathmandu.
Wir danken Herrn Werner M. für seinen ausführlichen Reisebericht und die tollen Bilder!
Hier der Reisebericht:
Chengdu - wo die Reise beginnt
Der Empfang am Flughafen durch Herrn Guo sowie der Transfer ins Hotel haben reibungslos geklappt. Herr Guo hat für mich sogar spontan und kostenfrei eine Alternative zu meiner voreingerichteten e-SIM organisiert (diejenige von meinem Reisepartner hat funktioniert, später brachte ich meine Airalo-e-SIM dann auch noch zum Laufen).
Die paar Schritte durch das tibetische Viertel von Chengdu waren für mich eine gute erste Annäherung an die neue Kultur, und das Hotpot-Abendessen mit Herrn Guo war sehr schmackhaft - wir verbrachten einen vergnügten Abend.
Das Hotel Dorsett ist mir in guter Erinnerung geblieben. Da wir am nächsten Tag früh los mussten, konnte Herr Guo beim Hotel ein Frühstückspaket für den Transfer zum weiter entfernt liegenden Inlandflughafen organisieren.
Herr Guo hat während des gesamten Reiseteils (Shanghai bis Kathmandu) über WeChat Kontakt mit uns gehalten und sich mehrfach erkundigt, ob alles gut laufe. Das fand ich sehr professionell - und erst noch in praktisch lupenreinem Deutsch! Zudem hat er uns zweimal in Kooperation mit der Agentur in Lhasa eine Flasche tibetischen Wein zukommen lassen. Der erste war zwar nicht unbedingt ein Meisterwerk, der zweite hat uns aber positiv überrascht, und wir haben nach dem Anbaugebiet in Südosttibet gegoogelt. Jedenfalls eine sehr schöne Geste.
Xining - am Rande vom tibetischen Plateau
Auch hier hat der Empfang am Flughafen reibungslos geklappt, inklusive der ersten zwei Kathas, die uns der Führer Dorgee beim Empfang umlegte. Es sollten noch weitere folgen - eine Geste, an die man sich gewöhnen könnte.
Der Führer ging gut auf unseren heissen Wunsch nach einem heissen Kaffee ein, und so waren wir nach einem Stopp bei Starbucks gut gerüstet für den Spaziergang durchs muslimische Viertel von Xining - eine weitere Annäherung an die neue Kultur.
Der Besuch im Tibetischen Kulturmuseum war dann ein erstes Highlight: Der weltrekordlange Thangka zog uns mit seinen Geschichten, Themen und feinen Details lange in seinen Bann. Dorgee konnte oft nützliche Hintergrundinfos liefern, auch wenn sein Englisch noch nicht ganz ausgereift war. Das beeinträchtigte die grundlegende Kommunikation aber in keiner Weise.
Entsprechend spät trafen wir im Hotel in Tongren ein, wurden dort aber noch mit einem späten Abendessen bestens versorgt. Mein Reisepartner und ich haben uns ein wenig amüsiert über die ungewohnt weiträumigen Zimmer, was wir aber natürlich auch geschätzt haben.
Tongren - im Osten Tibets
Den erste Besuch eines buddhistischen Klosters - und damit einen weiteren Schritt in die neue Kultur - habe ich trotz teilweisen Regens in sehr guter Erinnerung. Zum ersten Mal schnupperten wir den Duft der verbrannten Kräuter, von dem wir zwei Wochen später mit etwas schwerem Herzen Abschied nehmen würden.
Aufgrund des Regens verzichteten wir einvernehmlich auf die geplante kleine Wanderung, nahmen uns dafür mehr Zeit für das Mittagessen und besuchten als zweites das Wutun-Kloster. Dorgee, unserer Führer, liess nicht locker, bis er an diesem Samstag den zuständigen Mönch auftreiben konnte, der uns dann im kleinen Rahmen die Türen zu den Tempeln öffnete. Eine weitere eindrückliche Begegnung.
Beim Besuch der Thangka-Malschule verzichtete mein Reisepartner darauf, selbst Hand anzulegen. Ich selbst liess mich aufs Experiment „Malen nach Zahlen“ ein, kam aber bei weitem nicht ans Ende - why not. Das Beobachten der Künstler war interessant, das eigene "Malen nach Zahlen" könnte man wohl auch weglassen. Wir mussten ohnehin aufbrechen.
Der Fahrstil des Fahrers war angesichts der Nachtsicht und des einsetzenden Schneefalls etwas gar sportlich - das hätte etwas vorsichtiger sein dürfen. Wir kamen aber gut in Xining an und verabschiedeten den Fahrer am Bahnhof. Unser Führer wirkte am Bahnhof selbst etwas schlecht organisiert (Was/Wo/Wann), sagte aber, dass kürzlich umorganisiert worden sei. Er führte uns trotzdem sicher bis zum Einstieg in den Zug, übergab uns alle nötigen Dokumente, und wir verabschiedeten uns dankbar von diesem jungen, ambitionierten Tibeter.
Zug nach Lhasa
Fun-Tipp für Nachreisende: Das Fenster aussen anfeuchten und mit Papiertaschentüchern gut abwischen - sorgt für bessere Sicht und Fotos! Habe ich mir bei erfahrenen Mitreisenden so abgeschaut. Wir wurden allseits beneidet um unser Viererabteil, das wir bequem zu zweit nutzen durften - vielen Dank für diesen Hinweis! So schliefen wir bestens und erwachten kurz nach Golmud in ein frisch verschneites Märchenland. Was für eine grossartige Landschaft!
Einzig schade war, dass der Zug nach Golmud nur einmal hielt und wir praktisch keine Gelegenheit hatten, uns die Beine zu vertreten (und in meinem Fall eine Zigarette zu rauchen; eine Rauchmöglichkeit im Zug gab es laut meinen Erkundigungen nicht).
Lhasa
Der Empfang am Bahnhof durch unseren neuen Führer Ngodup war wieder mit Katha (Umhängeschal) und tadellos. Wegen Bauarbeiten mussten wir ein Stück zum Boutique-Hotel House of Shambhala zu Fuss mit Gepäck zurücklegen. Der Führer bedauerte das und bot uns selbstverständlich Hilfe an. Er hatte auch dafür gesorgt, dass wir im Hotel trotzdem noch ein feines Abendessen erhielten obwohl wir eigentlich erst um Küchenschluss eintrafen.
Die Zimmer im Hotel waren charmant; wegen der kühlen Temperaturen wurden sie mit einem (etwas lauten) elektrischen Ofen vorgeheizt. Meine Dusche wollte am nächsten Morgen kaum Warmwasser liefern, was sich aber in den folgenden Tagen stetig besserte. Das Essen im Hotel war einmal mehr besser als erwartet. Die zwei dazu bestellten Gläser Wein allerdings kamen aus einer schon deutlich oxidierten Flasche mit Weinstein. Wir haben uns im Lauf der Tage daran gewöhnt, dass Wein in Tibet nicht wirklich angekommen ist, und haben uns anderweitig beflüssigt.
Mir hat die Dachterrasse mit dem Blick über das alte Lhasa sehr gefallen, wo ich mir jeden Morgen trotz der kühlen Temperaturen und teils nassen Witterung den Tag zurechtgelegt habe. Das Personal war sehr freundlich, und das wenige Englisch reichte gut für die Klärung der situationstypischen Anliegen.
Die Tage in und um Lhasa boten Zeit, weiter in der neuen Kultur anzukommen. Das Programm war zwar dicht, aber beeindruckend und trotzdem gut verdaubar. Die Führung durch Ngodup war tadellos - Tag für Tag schätzten wir seine weiten Kenntnisse, sein vorzügliches Englisch und seine diskrete Präsenz mehr.
Auch der Aufwärmtee im Teehaus an einem langen Tisch zusammen mit Tibeterinnen und Tibetern war ein sehr gelungener Einschub unseres Führers zwischen der Besichtigung zweier Klöster. Nach zwei Tagen musste das Fahrzeug wegen eines technischen Mangels ersetzt werden, inklusive Fahrer - das verlief aber so, das wir praktisch nichts davon merkten.
Das Kochen mit den Schwestern vom Family Kitchen war, auch wenn nicht unbedingt kenntnisbereichernd, recht vergnüglich. Den optionalen Besuch beim Schmuckladen von Herrn Deleg haben wir nicht wahrgenommen - noch zu früh auf der Reise für Souvenirs und Mitbringsel. Neu (und auch lustig) war für mich als Raucher die zunehmende Paranoia gegenüber Feuerzeugen, Vapes sogar Tabak an und für sich bei den Security-Checks. Unser Führer fand aber stets Mittel und Wege, dass ich beim Verlassen der Sicherheitszone wieder in Besitz meiner abgegebenen Utensilien kam.
Tsetang - über Land nach Nepal
Wegen unseres gemächlichen, aber ergänzt durch die willkommenen Hintergrundgespräche mit unserem Führer gründlichen Besuchstempos im Samye-Kloster trafen wir relativ spät im Hotel ein. Wir waren überrascht über dessen Grösse, und uns wurde zum Abendessen das wohl grösste Separée zugewiesen, in dem zwei Reisende je etwas Kleines zu sich genommen hatten - war lustig, haben wir auch honoriert.
Gyantse
Auf der landschaftlich atemberaubend schönen Fahrt entlang des Yamdrok-Sees zur Klosterinsel Redo überraschte uns unser Fahrer mit Drohnenaufnahmen, die er von unserem Schneespaziergang auf dem Garo-La-Pass gemacht hatte.
Weil die direkte Route zum Karo-La-Pass gesperrt war, mussten wir wieder zurück über den Garo-La-Pass und kamen erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit in Gyantse an. Dieses unplanmässige Ereignis wurde von unserem Führer und vor allem von unserem Fahrer, der an diesem Tag wirklich viel zu tun hatte, gemeinsam sehr gut und zielorientiert abgehandelt, und wir haben sie gerne zu einem späten Abendessen kurz vor Küchenschluss eingeladen.
Trunken von grossartigen Landschaften und einem langen, aber erlebnisreichen Tag bezogen wir das tadellose Hotel in Gyantse.
Shigatse
Nach dem ausführlichen Besuch der Klosteranlage von Gyantse verlief die Fahrt durch die Hochebene etwas entspannter als am Tag zuvor.
Um den Tag etwas früher enden zu lassen (auch für Führer und Fahrer), verzichteten wir auf den Umrundungsspaziergang des Tashilunpo-Klosters und versuchten unser Glück im Hilton Hotel, einen Gin Tonic zu bekommen.
Das gestaltete sich aber nicht sehr einfach, da auch in diesem - vom Namen her internationalen - Hotel kein Gin vorhanden war. Wir kreierten zusammen mit dem Personal eine Alternative.
Auch sonst erfüllte das Hilton, zwar ohne ernsthafte Beanstandungen in Sachen Ausstattung und Sauberkeit, die Erwartungen, die der Name weckt, nicht wirklich. Das Check-In war relativ langwierig, die Vorabbuchung der Kreditkarte zeugte nicht gerade von Vertrauen, das Personal schien sich im Umgang mit internationalen Gästen nicht geübt, und die Barausstattung blieb hinter den Erwartungen zurück.
Das Abendbuffet hingegen liess keine Wünsche offen. Auf die kleine Folkloredarbietung im grossen Esssaal hätten wir allerdings auch verlustfrei verzichten können.
Everest Base Camp
Auf der Fahrt zum abgelegenen Nonnenkloster Jonang (ein Highlight an Herzlichkeit!) hielt der Fahrer bei einem kleinen Dorfladen und kaufte Unmengen an Gemüse ein. Wir zeigten uns erstaunt und erfuhren, dass es für die Nonnen war. Wir steuerten unsererseits einen 20-kg-Sack Reis und 90 Eier bei.
Unten im Ganten-Phuntong-Gling-Männerkloster begeisterte uns das Miterleben des Studiums der Mönche und der anschliessenden Debatte.
Auf der Fahrt zum Everest Base Camp fuhren wir durch zahlreiche Dörfer, die vom Erdbeben im Januar 2025 noch immer schwer gezeichnet waren. Die Himalaya-Range rückte näher, und die vorbeiziehende Landschaft nahm uns erneut in ihren Bann.
Das logistische Zentrum beim Umstieg auf Elektrobusse hatten wir in dieser Grösse und Umtriebigkeit so nicht erwartet - hier wird Tourismus im grossen Stil entwickelt. Doch why not, soll ja auch sein.
Ein lieber Bekannter meldete sich per WhatsApp (dank VPN): Er hatte Tibet Mitte der Achtzigerjahre bereist und musste das Base Camp damals noch über einige Tagesmärsche zu Fuss erreichen. Die Zeiten ändern sich…
Es war allein dem Nachfasstelefonat unseres Führers Ngodup zu verdanken, dass wir tatsächlich zwei Zimmer mit direktem Blick auf den Mount Everest erhielten. Bestnote! (Für die Wolken vor dem Everest konnte natürlich niemand zur Verantwortung gezogen werden.)
Früh am nächsten Morgen klingelte der Wecker auf über 5'000 m ü. M., und tatsächlich: Beim Blick aus dem Bett zeigte sich der Mount Everest wolkenfrei. Wir machten uns auf den Weg und genossen mit nur wenigen anderen Mitreisenden den Anblick der ersten Sonnenstrahlen auf dem höchsten Berg der Erde.
Die dünne Luft machte uns keine Probleme - wir hielten die Schritte einfach etwas kürzer; das langsame Anklimatisieren hatte sich bewährt. Wir bedauerten es etwas, dass das hochgelegene Rongbuk-Kloster voraussichtlich bereits das letzte tibetische Kloster war, das wir auf unserer Reise besichtigen würden.
Die hochgelegene Landschaft auf der Fahrt entlang der Himalaya-Kette zog uns erneut in ihren Bann, insbesondere das betörende Blau des Peikucuo-Sees. Die weitere Strecke durch die „Kerbe“ im Himalaya und immer flussabwärts entlang des jungen Trishuli-Flusses, dem wir in Nepal noch ausgiebig begegnen würden, führte uns schliesslich durch Nadelwälder weit oberhalb der in Europa üblichen Waldgrenze. Sie zeigten dennoch an, dass die Luft allmählich wieder „dicker“ wurde.
Kyerong und Kathmandu
Wir luden unseren Führer und unseren Fahrer noch zu einem letzten Abendessen in Kyerong ein.
Am Morgen dauerte es wegen verspäteter Öffnungszeit der Polizeistation etwas, bis der Führer den Stempel für das letzte Permit erhalten hatte. Und bald nach der Abfahrt in Richtung Grenze war wegen Strassenbauarbeiten schon wieder Pause.
Unser Führer erreichte aber durch offensichtlich geschicktes „Plaudern“, dass wir trotz diverser Strassensperrungen wohl das erste Fahrzeug waren, das an diesem Tag von Kyerong aus die nepalesische Grenze erreichte.
Wir nahmen herzlich Abschied von Führer und Fahrer. Der Grenzübertritt gestaltete sich problemlos, und auf der nepalesischen Seite wartete bereits der neue Führer, der uns bei den Einreiseformalitäten unterstützte, die sich ohne grössere Probleme abwickeln liessen.
Es folgten spürbar rauere Strassenverhältnisse als auf chinesischer Seite, aber das wurde uns ja auch so angekündigt.
Wir genossen die zunehmend saftigere Landschaft und liessen erste Eindrücke von Nepal auf uns wirken. Nach gut sieben Stunden mehrheitlich holpriger Strecke waren wir froh, sicher im Hotel in Kathmandu anzukommen, wo wir erst einmal drei Nächte bleiben würden, bevor die Reise für uns auf eigene Faust weiterging durch Nepal und Indien.
Mein Fazit
Ein dichtes aber eindrückliches Reiseprogramm, das mich begeistert hat und lange in Erinnerung bleiben wird. Von Ihren Agenturen vor Ort und vor allem deren Front-Personal (Führer und Fahrer) praktisch tadellos und über weite Strecken mit Bestnote umgesetzt. Vieles hat im Hintergrund perfekt funktioniert ohne dass wir gross Kenntnis davon genommen hätten. Bei unerwarteten Problemen wurden passende Lösungen gefunden und umgesetzt.
Werner M. aus Zürich
27. Juni 2025
Kurzübersicht:
- Chengdu
- Xining
- Tongren
- Zug nach Lhasa
- Lhasa
- Tsetang
- Shigatse
- Everest Base Camp
- Kyerong und Kathmandu
- Fazit






