Fondue, Raclette und Rösti in Bhutan

Insight Reportage 2018

 

Das Swiss Guest House im Bumthang-Tal im wenig besuchten Osten Bhutans ist ein verrückter Ort. Einst lebte die Tochter des ersten bhutanischen Königs hier - heute gibt's Fondue, Raclette und Zürigschnätzlets.


Die Schweiz und Bhutan sind seit den Fünfzigerjahren verbunden. Die Freundschaft zwischen dem dritten König von Bhutan und einem Schweizer Geschäftsmann legte den Grundstein für die enge Beziehung der beiden Bergländer.
Mit Hilfe aus der Schweiz wollte der König sein Land modernisieren, und den Hunger im Land zum Verschwinden bringen. Unter anderem sollten Käser aus der Schweiz den buthanischen Bäuerinnen und Bauern das Käsen beibringen.
Ein gewisser Fritz Maurer, Käser aus dem Schwarzbubenland, meldete sich. Obwohl der 25-Jährige damals nicht einmal wusste, wo Bhutan lag. Das ist nun mehr als vierzig Jahre her.


Weil die Kühe, die der Schweizer Käser in Bhutan antraf, zu wenig Milch gaben, importierte er kurzerhand Braunvieh aus Südindien. Er baute Käsereien auf und bot Ausbildungskurse für die Landbevölkerung an. Später heiratete er und wurde Vater von fünf Kindern.
Seine Tochter Sonam Wangdo, die mit zweitem Namen Katharina heisst, führt im Bhumtang-Tal heute eine traditionelle bhutanische Lodge für Gäste aus aller Welt. Im Swiss Guest House gibt es neben bhutanischer Küche - wie sollte es anders sein - Raclette, Käsefondue und Zürigschnätzlets. Im zum Betrieb gehörenden Biergarten wird Bier aus der eigenen Kleinbrauerei serviert.
Wie gesagt: ein verrückter Ort, der gutschweizerische Gastlichkeit und bhutanische Herzlichkeit verbindet. Sicher ganz im Sinne der ungewöhnlichen Nationalphilosophie Bhutans: Nicht das Bruttosozialprodukt sondern das Bruttonationalglück leitet die Politik.
Zum gelebten Glück gehören das spirituelle Wohlbefinden, eine intakte Natur und der Schutz der lebendigen Tradition des Landes.

Interview mit SONAM WANGDO

Geschäftsführerin Swiss Guest House

Sonam Wangdo, warum sollen Reisende Bumthang besuchen?

Bumthang ist einer der heiligsten Plätze Bhutans. Viele religiöse Festivals finden hier statt, und einige der Klöster, die man besuchen kann, sind sehr alt. Ihre Geschichte geht zurück bis ins 8. Jahrhundert. Weiter ist Bumthang einer der kulturell interessantesten Plätze Bhutans, wir sprechen hier sogar eine eigene Sprache. Lustig ist, dass viele Schweizer Besucherinnen und Besucher sagen, die Landschaft erinnere sie an ihre Heimat.

Wie reagieren die buthanischen Gäste auf Fondue und Raclette?

In Bhutan lieben wir Hüttenkäse. Wir verwenden ihn in diversen Gerichten, kochen ihn mit Gemüse. Ein Fondue oder Raclette zu geniessen, ist aber natürlich ein ganz anderes Erlebnis. Einige buthanischen Gäste, welche die Schweiz bereist haben, kommen gerne zu uns, um wieder einmal Fondue zu essen. Aber es gibt tatsächlich auch hiesige Gäste, die bei uns zum ersten Mal Fondue gegessen haben und seither immer wieder kommen.

Was ist ihr Lieblingsessen?

Mein persönliches Lieblingsessen sind "Ema Datsi" und "Khule". "Ema" bedeutet Chilli, "Datsi" Käse und "Khule" ist eine Buchweizen-Omelette - alles typische Zutaten für die Küche in Bumthang. Ich liebe sie! Für einige westliche Gäste ist Ema Datsi so ungewöhnlich wie für uns Fondue, denn der Chilli-Käse kann ziemlich scharf sein.

Reisen nach Bhutan