Ayurveda-Blog «Du bist, was du verdaust» (2)

Gepostet am 24.03.15 von Tanja Polli Wer sich für eine Ayurveda-Kur entscheidet, verzichtet zwei, drei Wochen auf Alkohol, Kaffee, Fleisch und Pasta. Im Gegenzug gibt es ganz viel warmes Kräuterwasser und Gemüse à discrétion. Klingt schlimmer, als es ist.

Willkommen im Ayurveda-Blog "Pillen unter Palmen" von Tanja Polli. Während der kommenden drei Wochen wird sie hier in regelmässigen Abständen den Verlauf ihrer Ayurveda-Kur in Indien dokumentieren.


Zwei Stunden nach meiner ersten ärztlichen Konsultation im Nattika Beach Resort erhalte ich den Behandlungsplan. Unwillkürlich muss ich an meine Freundinnen denken, an die Einläufe und die flüssige Butter, die sie mir prophezeit haben. Ich habe aber richtig Glück. Die ersten Worte, die ich in meinem Behandlungsplan entziffere, sind: "Uzhichil", eine Massage mit Kräuter-Öl, sie soll verjüngen und mein Leben verlängern. "Thirumal" steht für dieselbe Prozedur, allerdings mit den Füssen ausgeführt. Dann: "Podikizhi", eine Art Peeling. Das Pflanzenpuder, das mir - wie sollte es anders sein - zusammen mit Öl eingerieben wird, soll Gelenkschmerzen nehmen, bei Bandscheibenvorfällen helfen und die Fettverbrennung anregen.

Schwimmen in "Fleischmarinade"

Einmal täglich schwimmt der Kurgast also in Öl. Es wird individuell gemischt und mit Kräutern angereichert. Meines riecht nach Fleischmarinade. Sunitha, die junge Inderin, die es mit kraftvollen Bewegungen auf meinem Körper verteilt, lacht. "Here everything vegetarian", sagt sie. Stimmt. Und nicht nur das: kein Alkohol, kein Kaffee, keine Pasta. Und statt Wein gibts warmes Kümmel-, Koriander- oder Ingwerwasser. Zu jeder Mahlzeit. Ja, auch zum Frühstück. Und ja: auch, wenn im Palmengarten ein klassisches indisches Konzert das Nachtessen begleitet.Laut meiner ayurvedischen Ärztin stärken warme Getränke das Verdauungsfeuer. Während wir im Westen die Redewendung kennen "Du bist, was du isst", sagt Ayurveda: "Du bist, was du verdaust". Und um Nahrung richtig verwerten zu können, braucht der Mensch ein starkes Agni - Verdauungsfeuer. Brennt dieses gut, verleiht es dem Menschen ein strahlendes Aussehen, Fruchtbarkeit, Lebensfreude und ein gutes Immunsystem. Lodert das Agni nur schwach, fallen unverdaute Schlackenstoffe an, die den Stoffwechselprozess behindern. Dann fühlt der Mensch sich schwach, müde und steif.Kalte Getränke, sagt Frau Doktor, löschen das Feuer. Klingt irgendwie logisch. Darum empfiehlt Ayurveda, über den Tag verteilt abgekochtes Wasser zu trinken und gekühlte Getränke ganz aus dem Alltag zu streichen.

Nur der Kaffee fehlt..

Ganz ehrlich: man merkts. Auch wenn ich das Kümmelwasser bis zum Schluss verweigere. Ich fühle mich nach den Mahlzeiten leicht, kaum müde. Apropos Essen: Ich hab Glück im Unglück. Da zwei meiner Doshas im Ungleichgewicht sind, ist meine Auswahl am Buffet riesig. Ich darf bei den Pitta-reduzierenden Speisen genauso zuschlagen, wie bei jenen, die Vata ins Gleichgewicht bringen sollen. Dutzende Gemüse- und Linsencurrys, Reis und frisches Fladenbrot gegen meine körperlichen Disbalancen. Gemüse und Gewürze holt sich der Küchenchef im hoteleigenen Garten. Zwanzig Töpfe, tausend Aromen. Noch fehlt es mir an nichts, ausser dem Kaffee am Morgen. Mitleidig betrachte ich meine Mitpatientinnen und -patienten, die nur ein Ungleichgewicht vorweisen können...

 

Transparenz beim «Beobachter»: Tanja Polli's Reise nach Indien wurde ermöglicht durch Insight Reisen, Zürich. Die redaktionelle Unabhängigkeit war jederzeit gewährleistet.